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Grenzwanderung

Herzlich Willkommen in meinem Blog.

Eine Wanderung an der ehemaligen innerdeutschen Grenze, 1100 km, mit Rucksack und Zelt und die ersten Wochen ohne Geld.
Als Coachpotato und "Kopfmensch" alleine in der Einsamkeit der alten Grenze.

15.August 2015 Heute bin ich die Wanderstrecke gelaufen, ungefähr 10 km weiter, mit einigen Steigungen aber wunderschön.Es hat in der Nacht heftig geregnet, daher waren viele Wege stark unterspült. Der Regen hat mich auch den ganzen Tag begleitet. Ich bin die ganz Strecke schmerzfrei gelaufen, zum ersten Mal seit einigen Tagen. So bin ich abends müde und glücklich in der schönen Pension "Elvers" angekommen, wo ich von den Gastgebern sehr freundlich und herzlich aufgenommen wurde. Frau Elvers hat noch meine durchnässte Kleidung in den Trockner geworfen, sonst hätte ich am nächsten Tag wieder in nassen Sachen weitergehen müssen. Unterwegs bin ich in Tissau an einem tollen Café mit einem sehr beeindruckenden Besitzer vorbeigekommen. Eigentlich hat er nur sonntags geöffnet, heute war eine Ausnahme. Es ist das Café "Maison de la Marionette", für mich ein absolutes Muss auf der Strecke. Hier war noch eine Bibelgruppe zu Gast und so hat der Besitzer, Herr Dr. Manfred Fortmann, einige seiner vielen Puppen vorgeführt. Er ist ein begnadeter Puppenspieler, Schauspieler, Naturliebhaber und außergewöhnlicher Mensch. In seinem Leben geht es ums Puppenspielen und Naturerleben. Hier komme ich bestimmt nochmal zurück, der Mann hat mich nachhaltig beeindruckt. Er macht in seinem das, was er vom Herzen gerne tut. Er kann durch sein Puppenspiel sein Herz und seine Phantasien ausdrücken, wir versuchen dies oft zu unterdrücken. Er lebt dadurch das "Kind im Menschen", wo wir uns vielleicht schämen.Das ist auch mein Weg, meine kindlichen Impulse nicht zu unterdrücken sondern ihnen neben der erwachsenen Komponente ausreichend Raum zu geben. Wenn ich jetzt eine Idee von meiner zukünftigen Ausrichtung bekomme, ist es die ehrliche und authentische Annahme beider Komponenten, die des erwachsenen kraftvollen Mannes und die des neugierigen Kindes. In meinem früheren Leben habe ich oft einen Teil unterdrückt und nicht angenommen.Dadurch bin ich entweder ein unreifer oder ein verhärteter Mann gewesen.

16. Juli 2015

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Min. Lesezeit

Tag 40 - Von Hitzacker nach Neu Darchau (24 km)

Heute bin ich die Wanderstrecke gelaufen, ungefähr 10 km weiter, mit einigen Steigungen aber wunderschön.Es hat in der Nacht heftig geregnet, daher waren viele Wege stark unterspült.
12..August 2015 Heute bin ich über das Naturschutzgebiet nach Lüchow gewandert, was ein schöner Umweg war, der sich gelohnt hat. Die Pause hat mir richtig gut getan, trotzdem merke ich die körperliche Belastung der letzten 5 Wochen deutlich, ähnlich wie der typische Einbruch beim Marathon ab 30 km. Ich könnte jetzt auch gut morgens im Bett bleiben und die Wanderschuhe einmotten. Aber es geht natürlich weiter, ich kann die Ostsee schon fast riechen. In Salzwedel gab es ein Schild " Lübeck 117 km", natürlich Luftlinie. Der Grenzverkehr ist mehr als doppelt so weit. Auf meiner Wanderschaft hatte ich ein seltsames Phänomen. Ich bin gewandert und hatte gleichzeitig das Gefühl, ich schaue mir selber beim Wandern zu. Kennt ihr das Gefühl, ich kenne es nur aus Trance...Ich habe an nichts gedacht und nichts gefühlt, habe mich einfach selber beim Wandern beobachtet. Und das ohne Drogen oder Alkohol. Das war ein tolles Erlebnis und Gefühl. Wie es mir bewusst wurde, war es weg und kam auch nicht zurück. Überhaupt war der Wandertag sehr schön und fast schmerzfrei. Ihr bin gegen 15:30 in Lüchow angekommen und in die Pension "Wendeschänke" gegangen, die von 2 Schwestern betrieben wird. Es ist wirklich toll, was mit finanziell geringem Aufwand gemacht werden kann, wenn Leidenschaft und Herzblut drinsteckt. Hier merkt man das auch wieder. In der Pension haben auch 3 Männer übernachtet, die in Lüchow einen Auftrag zur Gebäudereinigung hatten. Ich habe mich mit den Männern unterhalten und habe kurz ihre Lebensgeschichte gehört, die mich unglaublich berührt. Ein Mann (45 Jahre) erzählte mir, dass er als Kind regelmäßig von seinem Vater schwer geschlagen wurde. Für jede Kleinigkeit und in der damaligen Zeit hat das Umfeld noch weggeschaut. Er sei halt ein "schwer erzielbaren Kind" sagte der Vater auf Nachfrage zu den Wunden. Damit war die Sache erledigt, da ist unsere Courage heute zum Glück besser. Es waren 4 Geschwister und nur er wurde misshandelt, die Mutter schwieg. Nach einer weiteren schweren Misshandlung ist er von daheim abgehauen und hat auf der Straße gelebt. Er hat bei Punks und unter Brücken gelebt, ist tagsüber in die Schule gegangen und nebenbei gejobbt. Natürlich wurde er zwischendurch immer wieder aufgegriffen und nach Hause gebracht, wo er aber wieder weglief. Er hat dann fast alle Erfahrungen durch, bis zu Drogen und Selbstmordversuch. Und er ist heute clean, hat einen Job, lebt in Partnerschaft und ist ein toller Mensch. Wahrscheinlich hätte ich mich sonst nie mit ihm unterhalten, es gibt keine Berührungspunkte. Und ich hätte meine unbewusste Wertung und Schublade gehabt. So bin ich froh, mit ihm gesprochen und 2 Bier getrunken zu haben. Seine Geschichte rührt mich sehr und zeigt mir, wie viel Glück ich mit meinem Entwicklungsumfeld hatte, und es war auch nicht perfekt. Aber was ist schon perfekt? Jedenfalls finde ich es phänomenal, wie sich Persönlichkeit trotz widriger Umstände entwickeln können. Natürlich ist es schwieriger, aber es ist möglich, wenn man es wirklich will. Und das gilt jeden Tag. Schau nicht wer du warst, schau wer du sein möchtest und gehe los. Hole und nimm dabei jede Unterstützung, die du bekommen kannst. Das scheint der Schlüssel zum persönlichen Glück zu sein. Ich habe großen Respekt vor Menschen, die ihr Leben selber anpacken statt auf andere zu warten oder die Umstände verantwortlich zu machen. Und es mag echt ungerecht sein, dass die Umstände und Gegebenheiten bei den Menschen höchst unterschiedlich sind und das gleiche Ziel mit unterschiedlichem Einsatz und Energie erreicht wird. Aber so ist das Leben, vielleicht ist es im nächsten Leben anders. Abends war ich noch kurz im Stones-Museum, welches in Lüchow ist. Der Betreiber ist ein Vollblut-Fan und Idealist und hat es gegründet. Und das als ehemaliger Banker :-) Auch hier merkt man das Herzblut, mit dem er dieses Museum betreibt. Sein Spruch an der Außenwand hat mich gleich angesprochen (siehe Foto). Morgen geht es weiter nach Dannenberg.

19. Juli 2015

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Min. Lesezeit

Tag 37 - Von Salzwedel nach Lüchow (22 km)

Heute bin ich über das Naturschutzgebiet nach Lüchow gewandert, was ein schöner Umweg war, der sich gelohnt hat. Die Pause hat mir richtig gut getan, trotzdem merke ich die körperliche Belastung der letzten 5 Wochen deutlich, ähnlich wie der typische Einbruch beim Marathon ab 30 km.
09.August 2015 Ich bin relativ spät in Oebisfelde gestartet, da ich in der Pension Peters etwas verschlafen habe. So kam in erst um 7:30 Uhr los. Der Weg nach Brome war landschaftlich sehr interessant, da ich durch das Naturschutzgebiet des Drömlings gewandert bin. Das ist eine Moor- und Feuchtlandschaft. Am Vormittag waren die Temperaturen noch erträglich, ab Mittag hatte ich über 30 Grad in einem Grassgebiet ohne Schatten. Dazu kamen noch die Schmerzen im Bein, die sich nach ca. 10 km wieder bemerkbar machten. Das zerrt extrem an meiner Moral und ich habe öfter geflucht. Die schöne Vorstellung von dem Bett und der Dusche in der Pension trieb mich aber immer weiter. Leider gibt es auch auf dieser Strecke keine Einkehrmőglichkeit obwohl viele Radfahrer unterwegs waren. Seltsam, das müsste doch ein Geschäft sein... Auf dem Weg kurz vor Brome habe ich einen Bauernhof gesehen, der ein Heimat- und Grenzmuseum beinhaltete. Der Besitzer war auch dort und erzählte mir seine Geschichte bei einer Tasse Kaffee. Ihm und seinen Eltern gehörte der Hof, der dann aber nach der Teilung von der DDR enteignet wurde. Dies geschah unter dem Motto "Aktion Ungeziefer", wo unbequeme oder verdächtige Grenzbewohner enteignet und umgesiedelt wurden. Die Familie flüchtete danach durch die noch durchlässige Grenze in den Westen. Nach der Wiedervereinigung erhielt er den Hof zurück und hat den Großteil eines Hofes zum Museum mit Freilandmuseum gemacht um an die Geschichte zu erinnern. Übernachtet habe ich in der Pension Jürgens in Brome, einer schönen und angenehmen Pension mit netten Gastgebern. Überhaupt hatte ich bisher immer tolle und hilfsbereite Gastgeber auf meiner Tour. In der Pension habe ich noch ein Ehepaar kennengelernt, die das grüne Band mit dem Rad fahren. Und das im Alter von fast 70 Jahren, Respekt. Ansonsten gibt es zu diesem Tag nicht viel zu berichten, ich war am Abend kaputt und nicht besonders motiviert. Da mein Bein ziemlich geschwollen ist und schmerzt, werde ich den Reiseplan ändern und übermorgen einen weiteren Ruhetag einlegen. Heute ist wieder ein Tag um den eigenen Willen und Durchhaltevermögen zu testen. Wahrscheinlich aber auch um mich zu sensibilisieren, auf die Signale des Körpers und der Umwelt zu hören. Und diese Signale ignoriere ich leider oftmals gerne. Daher plane ich morgen direkt nach Salzwedel zu gehen und dort am Dienstag einen Ruhetag einlegen. Mal sehen, ob ich morgen die 32 km Laufen kann. Es macht sich jetzt auch neben den körperlichen Symptomen auch eine mentale Müdigkeit bemerkbar. Seltsam, die Tage in der Natur mit viel Bewegung und an der frischen Luft ermüden auch mental. Aber nicht wie lange Büroarbeit mit Kopfschmerzen und "Abgeschlafftheit" sondern eine angenehme und schöne Müdigkeit. Ich bin abends platt aber glücklich und zufrieden. Zum Schluss habe ich noch eine gute Nachricht für alle "Spender". Wie es aussieht, werde ich bei ca. 1100 km herauskommen, die Grenze war insgesamt 1400 km lang, diese ist aber nicht mehr begehbar. Das ausgewiesene grüne Band ist ca. 1250 km lang, ich habe aber einige Schleifen abgekürzt. Somit spart ihr etwas ein :-)

22. Juli 2015

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Tag 34 - Von Oebisfelde nach Brome (25 km)

Ich bin relativ spät in Oebisfelde gestartet, da ich in der Pension Peters etwas verschlafen habe. So kam in erst um 7:30 Uhr los. Der Weg nach Brome war landschaftlich sehr interessant, da ich durch das Naturschutzgebiet des Drömlings gewandert bin. Das ist eine Moor- und Feuchtlandschaft.
06.August 2015 Ich bin um 6:30 in Hohnsleben aufgebrochen, nachdem ich die Nacht im Zelt schlecht geschlafen habe. Mich hat ein Blutsauger in den linken Unterschenkel gestoßen, und jetzt ist das linke Schienbein angeschwollen und schmerzt. Die Wanderung war ohne große Ereignisse oder Erkenntnisse. Außer dem schmerzenden Bein. Zum Glück sind die nächsten Etappen nicht so lang, sodass ich gut bis Helmstedt wandern konnte. Dort bin ich gegen 13:30 Uhr angekommen. Mich beschädigt noch immer die Sperranlage in Hohnsleben und die damit verbundenen Schicksale und Tragödien. Und dann treffe ich in Helmstedt einen Mann, der in Hohnsleben aufgewachsen ist. Er erzählte mir eine andere Sichtweise, die ich gar nicht auf dem Radar hatte. Er schilderte mir das Leben dort, den Zusammenhalt im Dorf, die Feiern und dass sie nichts vermisst haben, da sie es nicht anders kannten. Er sagte mir, dass die Sperranlagen für die Menschen normal waren und es ab 1980 immer lockerer im Dorf wurde. Anfangs gab es noch Sperrzeiten, die immer mehr gelockert wurden. Der Mann war kein "ewig gestriger", er ist glücklich mit der Wiedervereinigung, er sagte mir aber, dass die Zeit in der DDR und in den Grenzgebieten oft zu einseitig beschrieben werden. Ich denke, das ist mein Thema. Aus den alten Glaubenssätzen herauskommen und die Dinge von mehreren Seiten betrachten. Das fällt mir nicht leicht, ich habe doch so gerne Recht. In Helmstedt habe ich in der Pension Ulrike Schulz übernachtet. Eine herzliche Frau, die mit ihrem Mann diese günstige und empfehlenswerte Pension neben ihrer Arbeit als Fußpflegerin betreibt. Es ist unglaublich interessant, in kleinen privaten Unterkünften zu übernachten und die Menschen kennenzulernen. Ulrike ist so ein Mensch, der das Herz am richtigen Fleck hat. Nachmittags habe ich es mir gut gehen lassen und Cappuccino in der Fußgängerzone grünen. Dabei habe ich Corina, die Freundin von Ulrike kennengelernt. Am Abend hatte ich dann noch eine Massage bei Mediwell in Helmstedt. Irgendwie trifft man immer auf die Menschen, die dir eine neue Erfahrung bringen. Mit dem Masseur war es so. Wir sind auf einer Wellenlänge und zu der Massage hatte ich noch ein tolles Gespräch. Die Schmerzen am Bein werden schlimmer, es sieht nach einer Entzündung aus. Ich hoffe, dass es morgen besser wird.

25. Juli 2015

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Tag 31 - Von Hohnsleben nach Helmstedt (20 km)

Ich bin um 6:30 in Hohnsleben aufgebrochen, nachdem ich die Nacht im Zelt schlecht geschlafen habe. Mich hat ein Blutsauger in den linken Unterschenkel gestoßen, und jetzt ist das linke Schienbein angeschwollen und schmerzt. Die Wanderung war ohne große Ereignisse oder Erkenntnisse. Außer dem schmerzenden Bein.
03.August 2015 Die Nacht im Zelt neben den Tieren war eine neue Erfahrung. Um 5 Uhr war die kalte Nacht beendet, denn die Symphonie der Tiere begann. Schon während der Nacht gab es immer wieder Proben. Ich habe dann meine Sachen getrocknet und meine Füße verarztet. Unglaublich, was diese paar Quadratzentimeter aushalten und leisten. Sie sehen aber auch entsprechend aus. Da wird Anne, eine Freundin, Kosmetikerin und Fußpflegerin nach meiner Heimkehr Überstunden machen müssen :-) Um 7 Uhr kam der Landwirt und wir haben uns noch etwas unterhalten. Er sagte mir, ohne zu jammern, dass die ganzen Subventionen nur in den Landwirtschaftsfabriken ankommen. Aber nur ein Teil unserer Steuergelder, die riesige Verwaltung frisst ja fast die Hälfte. Also dort, wo das Fleisch "produziert" wird, das eigentlich keiner von uns essen mag. Dort, wo Tiere nicht als Lebewesen sondern als Stückgut betrachtet wird. Dort, wo kein Konsument hinschauen darf oder will. Dort, wo wir unsere Seele verkaufen. Bei den kleinen Betrieben, die ihrem Vieh noch Namen geben, kommt nichts an. Und mit der Produktion von Getreide und Pflanzen scheint es in den Großbetrieben nicht besser zu sein. Dort wird gespritzt und gedüngt, was erlaubt ist. Und das Schlimmste ist, es wird viel zu viel produziert, was entweder vernichtet wird oder in Drittländer kommt, die dann aufgrund des Dumpingpreises keine eigene Landwirtschaft aufbauen können. Und trotzdem würde dieser Mann nicht mit den Großbetrieben tauschen, da er seinen Beruf mit dem Herzen lebt. Das beeindruckt mich sehr und ruft mir meine Verantwortung ins Bewusstsein. Nachdem ich mich verabschiedet habe, bin ich bis nach Hornburg gewandert. Die Berge liegen hinter mir, jetzt geht es in das flache Land. Super, dachte ich mir, jetzt wird es leichter. Aber bei 35 Grad im flachen Land ohne Bäume ist es eine körperliche Qual. Ich habe viel Wasser getrunken, aber die körperlichen und mentalen Schmerzen sind deutlich und intensiv. Die lange Reise steckt mir in den Knochen und ich denke voller Sehnsucht an den Zieleinlauf. Jetzt sind mein Wille und meine Ausrichtung gefragt und ich muss auf meinen Körper hören. Das ist für mich eine neue Erfahrung, denn oftmals gehe ich über meine Grenzen, nach dem Motto " Im Schweiße deines Angesichts". Ich bin bis an meine Grenze gekommen, ich bin um ca. 18 Uhr in Hornburg angekommen und habe mir den Luxus einer günstigen Pension genommen. In der Pension Reinhardt habe ich den Besitzer kennengelernt, der ebenfalls seine kleine Pension aus vollem Herzen betreibt. Wahnsinn, die Menschen, die ihre Berufung gefunden haben, jammern nicht und beschweren sich nicht. Sie berichten und erzählen, was ist. Morgen werde ich einen Ruhetag einlegen und es mir gut gehen lassen. Und ich fühle mich bei dem Gedanken unwohl, es macht mir fast ein schlechtes Gewissen. Ein altes Muster, aber es darf doch auch leicht gehen, oder? Wem möchte ich eigentlich etwas beweisen, mir, euch oder wem? Eine spannende Frage und eine neue Möglichkeit für mein Wachstum.

28. Juli 2015

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Tag 28 - Von Papenburg nach Hornburg (29 km)

Die Nacht im Zelt neben den Tieren war eine neue Erfahrung. Um 5 Uhr war die kalte Nacht beendet, denn die Symphonie der Tiere begann. Schon während der Nacht gab es immer wieder Proben.
31.Juli 2015 Der Weg nach Bad Sachsa ist landschaftlich sehr schön. Es geht über Hügel durch wunderschöne Felder und Waldgebiete. Die Anstiege sind dagegen oftmals herausfordernd. Am Abend habe ich einen tollen Zeltplatz an einem einsamen See gefunden. Nur mit den Schwänen musste ich mich über die Einteilung des Reviers einigen. Die Nacht war wieder sehr kalt. In meinen Gedanken und Gefühlen dreht es sich heute hauptsächlich um Beziehungen. Vor genau 6 Jahren habe ich meine Frau und Gefährtin kennengelernt. Wir beide haben nicht nach Partnern gesucht, wir haben uns gefunden. Als wir uns begegneten war es wie ein "Erkennen - da bist du ja". Es hat sich eine Partnerschaft entwickelt, die die Ausrichtung auf gemeinsames und individuelles Wachstum hat. Ich liebe diese Frau über alles, jeder Tag ist ein Geschenk. Manchmal kann ich das Geschenk nicht gleich wertschätzen :-) Und die Vorstellung von Rosamunde Pilcher, nach der Hochzeit lebten sie in ewiger Harmonie, mussten wir revidieren. Denn unsere Beziehung fängt jeden Tag neu an und es ist Arbeit, die Aufmerksamkeit und eine hohe Ausrichtung braucht. Und natürlich brauchen wir viel Toleranz und die Fähigkeit, eigene Überzeugungen infrage zu stellen. Es wäre mal interessant, eine Folgesendung nach dem Abspann zu sehen. Aber auch vergangene Beziehungen kommen mir heute in das Bewusstsein. Menschen, mit denen ich verbunden war und von denen ich mich wieder getrennt habe. Mal sehr emotional, mal schleichend, mal wohlwollend. Egal, was war, jede dieser Beziehungen hat mein Leben geprägt und beeinflusst. Und dafür bin ich dankbar. Besonders die langjährige Beziehung zu meiner ersten Frau und Mutter meiner Tochter ist für mich ein prägende Lebensphase gewesen. Egal, was ist und war, dafür bin ich dankbar. Diese Partnerschaft hatte sich erfüllt. Eine weitere wichtige Beziehung in meinem Leben ist meine Tochter Esther. Auch hier bin ich sicherlich weit davon entfernt ein perfekter Vater zu sein und ich tue mein Bestes. Ich gebe mein Bestes, das haben meine Eltern auch getan. Oftmals konnte ich das früher nicht erkennen. Natürlich gehören auch meine Familie sowie meine Freunde zu den wichtigen Beziehungen. Nach der gemeinsamen Woche mit Kai ist mir wieder bewusst, wie wichtig ein guter Freund im Leben ist, Die wichtigste Beziehung in meinem Leben ist aber die Beziehung zu mir selber. Gleichzeitig scheint dies auch die schwierigste Beziehung zu sein. Mit mir selber bin ich am strengsten. Warum eigentlich? Ich habe mein Bewusstsein mittlerweile darauf angehoben, dass ich Selbstliebe als Eigenhygiene sehe. Wie soll mich jemand lieben oder wie kann ich jemanden lieben, wenn ich mich selbst nicht Liebe? Die Beziehung zu mir und meinen Mitmenschen ist ein Kernstück meines Glücks im Leben. Ich denke, am Ende unseres Lebens, wenn alle materiellen Güter nichts mehr bedeuten, bleiben die Beziehung und Erfahrungen, die ich gemacht habe. Ich nutze diese Zeit der Wanderung, um in meine vergangene Beziehung zu bereinigen, indem ich die Verantwortung für meinen Teil übernehme und mich innerlich für die Verletzungen entschuldige, die ihr verursacht habe. Hier hilft mir die indische Wissenschaft Akram Vignan, diese Sicht einzunehmen. Ich denke, dieses wichtige Lebensthema begleitet mich noch ein Stück. Das schöne ist, dass ich aktiv etwas tun kann um meine Beziehungen zu leben oder loszulassen.

31. Juli 2015

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Tag 25 - Von Fuhrbach bis Bad Sachsa (32 km)

Der Weg nach Bad Sachsa ist landschaftlich sehr schön. Es geht über Hügel durch wunderschöne Felder und Waldgebiete. Die Anstiege sind dagegen oftmals herausfordernd. Am Abend habe ich einen tollen Zeltplatz an einem einsamen See gefunden. Nur mit den Schwänen musste ich mich über die Einteilung des Reviers einigen. Die Nacht war wieder sehr kalt.
28.Juli 2015 Die heutige Tour war recht kurz. Ich merke aber die bereits gelaufenen Kilometer in meinen Beinen und Körper. Ich bin nach diesen 20 Kilometern ausgelaugt und freue mich auf die Pause. Das Wetter ist außerdem alles andere als sommerlich, es regnet und stürmt. Heute habe ich den Luxus, von Kai auf den Campingplatz eingeladen zu sein, wo auch die Wäsche mal in der Maschine gewaschen wird. An dem Punkt, wenn man seinen eigenen Geruch nicht mehr mag, wird es unwürdig. Je länger ich den Weg gehe, desto klarer werden meine Fragen. Die vielen Gedanken im Kopf werden weniger und es fokussiert sich auf die Frage, was ich mit meiner Lebenszeit machen möchte. Was ist meine Berufung, welchen Beruf möchte ich ausüben, wie sollen meine Beziehungen im Leben sein und wie möchte ich sein? Wenn ich auf dem Weg erlebe, wie viel Freude und Glück kleine Dinge im Leben bringen, stellt sich auch die Frage, wann bin ich für mich erfolgreich? Ich frage mich, ob ich die eigene Messlatte nicht zu hoch gelegt habe und ob es für meine Fragen nützlich ist: 1400 km ohne Geld Grenzweg, wo es durch die Historie eine ziemlich negative Energie hat in der Einsamkeit der Grenzgebiete Was ist es was mich antreibt, diese Tour unter erschwerten Bedingungen zu machen. Ist es mein Ego das mich lenkt oder es mein innerer Ruf, meine Form um an neue Erfahrungen und Erkenntnisse zu kommen. Möchte ich hiermit etwas beweisen oder ist es für mich und meine eigenes Wachstum? Ich kenne dies aus meinem Leben, oft herausfordernde Ziele zu setzen und zu erreichen, ohne sie anschließend ausreichend zu feiern und zu würdigen. Spannende Fragen für die nächsten 30 Tagen.

3. Aug. 2015

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Min. Lesezeit

Tag 22 - Von Bornhagen nach Reiffenhausen (20 km)

Die heutige Tour war recht kurz. Ich merke aber die bereits gelaufenen Kilometer in meinen Beinen und Körper. Ich bin nach diesen 20 Kilometern ausgelaugt und freue mich auf die Pause. Das Wetter ist außerdem alles andere als sommerlich, es regnet und stürmt.
14.August 2015 Ich habe mich in der Nacht im Zelt etwas erkältet, da ich mich nicht entscheiden konnte, Schlafsack auf oder zu? Es wechselte zwischen schwitzen und frieren. Ansonsten war der Zeltplatz in Danneberg echt toll und sehr ruhig. Ich bin gegen 9 Uhr aufgebrochen und über das Strachauer Rad nach Hitzacker gewandert, entlang der Elbe. Der Elbweg ist sehr schön zu wandern und auch sehr belebt. Die Elbe hat zurzeit kaum Wasser, an einigen Stellen nur 30 cm tief. Daher fahren die meisten Fähren nicht mehr, sodass die Entscheidung wichtig ist, auf welcher Seite man wandert. Brücken gibt es auch nur in sehr großen Abständen, die Elbe war früher die deutsch-deutsche Grenze. Und Pensionen sind durch nur vereinzelt und am Wochenende oft ausgebucht. Da muss ich schon gut planen. In Hitzacker habe ich in der Pension "Hotel Lüneburger Hof" übernachtet, es war eine angenehme und preisgünstige Pension. Ich habe trotz eines heftigen Gewitters mit starkem Regen gut geschlafen. Vor dem Gewitter war ich noch in der Stadt von Hitzacker und kam genau rechtzeitig zu einer Stadtführung. Der Stadtführer, Herr Ulli Stang, hat eine super engagierte und humorvolle Führung gemacht, man merkt, dass dies sein Herzblut ist. Und die kleine Stadt hat viel zu bieten, der verstorbene Ehemann von Königin Beatrix, Claus wurde hier geboren. Herr Stang ist ebenfalls begeisterter Wanderer, er ist letztes Jahr mit seiner Frau durch die Alpen gewandert. Wie gesagt, dies war ein toller und schöner Wandertag, nichts außergewöhnliches, dafür ein schöner Tag. Ich freue mich auf morgen.

17. Juli 2015

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Tag 39 - Von Dannenberg nach Hitzacker (22 km)

Heute bin ich über einige Umwege nach Dannenberg gewandert. Dabei bin ich hauptsächlich an der Jeetzel gelaufen, meistens auf dem Damm.
11.August 2015 Ich bin gegen 8 Uhr in Brome aufgebrochen und den direkten Weg nach Salzwedel gewandert. Auf den ersten 10 Kilometern ging es mir super gut, danach kamen die Schmerzen im Bein zurück ab 20 km kam mein Einbruch. Ich hatte starke Schmerzen und bin dann die letzten 10 km per Anhalter gefahren. Wow, das ist schon ewig her, dass ich das gemacht habe. Und den Daumen zu heben ist für mich ziemlich schambesetzt. Zuerst habe ich versucht, es irgendwie abzuschwächen und es nur halbseiden gemacht. Ohne Erfolg. Dann habe ich mich entschieden es auch so zu meinen und dazu zu stehen. Also habe ich die Autofahrer angeschaut und den Daumen klarer hochgehalten. Die Reaktionen der Autofahrer sind schon interessant, ich kenne sie auch von mir. Viele schauen interessiert, bremsen kurz ab und entscheiden sich dann wieder anders. Ein Abbremsen und Halten bedeutet auch für die Fahrer eine gewisse Überwindung. Nach kurzer Zeit hat mich ein Transporter ein Stück mitgenommen. Ich habe den Fahrer gefragt, warum er mich mitgenommen habe. Er sagte, entscheidend waren der Augenkontakt und die klare Ausstrahlung. Ich bin noch mit 2 weiteren Fahrern mitgefahren, es ging ziemlich schnell als ich selber dazu stand. Es ist wie im Leben. Wenn du etwas tust, wo du nicht voll dahinterstehst ist die Aussicht auf Erfolg eher gering, denn deine unklare Ausstrahlung verrät dich. Das betrifft Beziehungen und Tätigkeiten. Ich habe es in meinem eigenen Leben erfahren. Heute versuche ich, die Dinge, die ich tue und die Beziehungen, die ich lebe, mit voller Absicht und aus dem Herzen zu leben. Gelingt in nicht immer, aber immer öfter. Und es ist manchmal einfach eine bewusste Entscheidung, diese Einstellung zu bekommen. Solange ich im innerlichen Widerstand und Scham war, konnte ich keinen klar denkenden und fühlenden Mitmenschen dazu bewegen, mich mitzunehmen. Wie soll er mir vertrauen wenn ich mir selber nicht vertraue? Und dann habe ich mich entschieden, das "Trampen" wirklich so zu meinen und dazu zu stehen. Ich denke, das strahlt man aus und das bewirkt etwas in der Umwelt. Ich wurde dann authentisch und ehrlich wahrgenommen. Das war für mich die Erkenntnisperle des Tages. Ich bin dann gut in Salzwedel angekommen und übernachte in einer Pension auf eine Reitanlage. Abseits der Stadt und mit Blick auf die Pferdekoppel. Morgen nehme ich einen Pausentag um mein Bein zu entlasten und mir Salzwedel anzuschauen.

20. Juli 2015

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Min. Lesezeit

Tag 36 - Pausentag in Salzwedel

Ich bin gegen 8 Uhr in Brome aufgebrochen und den direkten Weg nach Salzwedel gewandert. Auf den ersten 10 Kilometern ging es mir super gut, danach kamen die Schmerzen im Bein zurück ab 20 km kam mein Einbruch. Ich hatte starke Schmerzen und bin dann die letzten 10 km per Anhalter gefahren.
08.August 2015 Ich bin morgens früh in Weferlingen aufgebrochen und war gegen 13 Uhr im Etappenziel Oebisfelde. Ich habe in der Pension Peters gewohnt, eine sehr günstige, saubere, ruhige und komfortable Unterkunft mit netten Gastgebern. Schon die telefonische Kontaktaufnahme war ein Erlebnis, ich hatte die 89-jahrige Mutter am Telefon. Eine wache, freundliche und kräftige Stimme, sehr sympathisch. Ein Vorbild für mich. Als ich dann später die Tochter kennengelernt habe, die die Pension führt, erlebte ich die gleiche Freundlichkeit und Offenheit. Herrn Peters habe ich am folgenden Morgen kennengelernt, ebenfalls sehr offen und sympathisch. Das Dorf in Oebisfelde ist ebenfalls sehr historisch und interessant. Vor allem der Gegensatz zwischen alten, verfallenden und restaurierten Häusern fällt auf. Schade, dass die alten Grenzdörfer aufgrund der Landflucht oft verfallen. Ich hatte das Glück, dass ich an der Kirche 2 ältere Damen getroffen habe, die die Kirche mit Blumen schmückten. Sie haben mir die Kirche gezeigt und aus ihrem Leben im Dorf erzählt. Sie haben Krieg, Besetzung, Teilung und Wiedervereinigung miterlebt und waren fröhlich und offen. Es ist schon erstaunlich, wie viel Umstellungen und Änderungen ein Mensch erleben und "verkraften" kann ohne zu zerbrechen. Ich bin manchmal schon durcheinander, wenn ich meinen Zug nicht bekomme :-) Die beiden Damen erzählten mir von der Grenzerstellung, den damit verbundenen Änderungen in ihrem Leben. Und sie haben sich immer wieder umgestellt und neu ausgerichtet. Im Edeka-Cafe habe ich einen Kaffee getrunken und eine nette Familie kennengelernt. Die Frau war Jägerin und ihre beiden Söhne ( 4 und 6 Jahre ) waren sehr naturverbunden und offen. Unglaublich, ich habe mich mit den beiden Jungs gut unterhalten, eine echte Hoffnung für unsere Zukunft. Sie haben mir erzählt, welche Tiere in der Region leben und welche sie heute gesehen haben. Die Wanderung nach Oebisfelde war ziemlich unspektakulär, einzig mein schmerzendes Bein macht mir zu schaffen. Das habe ich dann in der Nacht mit einem Quarkwickel behandelt, altes Hausregeln meiner Frau. Und leider gibt es in den Dörfern keine Gaststätten oder Cafés. Ein Einheimischer sagte mir, die haben in den letzten 10 Jahren alle geschlossen. Vorher hatte ziemlich jedes Dorf seine Gaststätte, der zentrale Punkt für das soziale Dorfleben. Jetzt fehlen diese Verbindung und damit auch die enge Bindung der Dorfgemeinschaft. Unterwegs habe ich mich auf einen Stapel Bretter gelegt und eine Pause gemacht. Und es kam nach kurzer Zeit 2 Männer, die mich fragten, ob alles okay ist, ich genug Geld hätte oder ob ich etwas zu essen brauche. Wahnsinn, diese Zivilcourage. Ansonsten ist der Weg unspannend, kaum Plattenwege aber dafür viel Straße. Diese Etappe war damit vom Wandern nicht besonders schön. Dafür hat Oebisfelde mit den schönen Fachwerkhäusern entschädigt. Mir geht es sehr gut, ich genieße die Reise immer mehr. Und je mehr ich von den Menschen mitbekomme, desto höher wird meine Wertschätzung für die Menschen, über die ich früher gelächelt habe. Ich hatte eine festgefahrene Meinung über Dorfgemeinschaften. Sorry dafür. Es ist so interessant, die unterschiedlichen Standpunkte und Lebenserfahrungen zu hören ohne sie zu bewerten. Die Nacht habe ich super geschlafen und bin gegen 8 Uhr nach Brome aufgebrochen.

23. Juli 2015

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Tag 33 - Von Weferlingen nach Oebisfelde (19 km)

Ich bin morgens früh in Weferlingen aufgebrochen und war gegen 13 Uhr im Etappenziel Oebisfelde. Ich habe in der Pension Peters gewohnt, eine sehr günstige, saubere, ruhige und komfortable Unterkunft mit netten Gastgebern.
05.August 2015 Nachdem ich in Hornburg gefrühstückt habe, bin ich gegen 9 Uhr aufgebrochen. Frisch und total motiviert. Mein Wirt hat mir das Motto für ein Glückliches Leben verraten. Auf meine Frage: "Wie geht es Ihnen? " sagte er: "Heute ist mein allerbester Tag." Wow, dachte ich, ist seine Pension ausgebucht oder hat er im Lotto Gewonnen? Also fragte ich nach, Warum? Da sagte er: "Gestern ist vorbei und morgen hat noch nicht angefangen. Also ist heute der beste Tag." Wenn ich mich in besonderen und herausfordernden Momenten, wenn alles schwer und dramatisch erscheint an diese Einstellung erinnere, werde ich nicht unglücklich sein. Ich werde traurig, wütend oder verzweifelt, aber nicht unglücklich. Leider denke ich in den Situationen noch nicht an diese Einstellung. Aber ich bin ja noch jung und kann es ab jetzt trainieren. Was für eine Zugabe auf der Wanderung. Der Wandertag war ernüchternd. Flaches Land, Felder, Plattenweg, keine Häuser, Hitze und Mücken. Ich habe nicht an meinen besten Tag gedacht sondern geflucht und gezetert. Mir tat alles weh und ich hatte keine Lust mehr auf diesen Sch...ss. Da traf ich einen anderen Wanderer, der mir entgegen kam. Heinz ist 76 Jahre jung, mit leuchtenden Augen, der in 4 Blöcken diesen Grenzweg geht. Dies ist sein 2. Block und er geht von Pension zu Pension. Und er startet bei der Hitze sehr früh um gegen Mittag am Etappenziel zu sein. Da hätte ich auch drauf kommen können... Wow, Heinz, echt ein Vorbild. Ich bin dann mit Frust und Wut bis nach Jerxheim gegangen, meinem nächsten Ziel. Die Mücken hatten mich fast ausgesaugt, ich brauche Antibrumm. Und in Jerxheim gibt es ... Nichts. Nur einen Imbiss, sonst wie üblich in den Grenzdörfern nichts. Also habe ich mich neu motiviert und bin die 8 km nach Schőnigen gelaufen. Eine große Anstrengung, die sich gelohnt hat. Leben in der Stadt, ein tolles Café und eine Drogerie für Autan. Ich habe auch das Heimatmuseum besucht und eine tolle Führung bekommen. Es ist traurig, was aus dieser einst reichen Stadt und Region wird. Zuckerrüben und Braunkohle sind nicht mehr gefragt und eine andere Ausrichtung nicht in Sicht. Also gehen die jungen Menschen weg und die Stadt verliert an Glanz. Danach waren die Lebensgeister wieder zurück und ich bin dann nach Hohnsleben gegangen, wo noch ein großer Teil der Sperranlagen steht, die das Dorf umgeben hat. Das war sehr bedrückend und hat mir die Brutalität der Teilung sehr plastisch gezeigt. So authentisch habe ich es sonst nirgendwo gefühlt. Unglaublich, was Glaubensysteme tun, um ihre eigene Wahrheit durchzusetzen. Ob Glaube, Politik oder Wirtschaft, das scheint sich wie ein roter Faden durch die Menschheit zu ziehen. Und es hat sich nicht wirklich geändert, nur ist es heute nicht so offensichtlich. Die Mauern von früher scheint heute der Fernseher und Medien zu sein. In Hohnsleben hat sich mein Zeltplatz schwer getan, mich zu finden. Ich war erst an einem nahen See, wo ich auf eine Gruppe Männer traf. Irgendetwas in mir erzeugte ein schlechtes Gefühl, worauf ich auch gehört habe. Also bin ich wieder zurückgegangen. Also habe ich einen Platz neben dem Haus von Matthias gefunden, der sehr gastfreundlich war. Seine Frau hat mir noch Nudeln mit Tomatensauce gemacht. Zum morgendlichen Kaffee war ich schon weg. Ich habe von Heinz gelernt und bin früh aufgebrochen.

26. Juli 2015

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Min. Lesezeit

Tag 30 - Von Hornburg nach Hohnsleben (41 km)

Nachdem ich in Hornburg gefrühstückt habe, bin ich gegen 9 Uhr aufgebrochen. Frisch und total motiviert. Mein Wirt hat mir das Motto für ein Glückliches Leben verraten.
02.August 2015 In Sorge hatte ich eines sehr günstige Pension gefunden und super geschlafen. Endlich mal nicht mehr frieren. Für die Tagestour zum Brocken standen die Vorzeichen schlecht. Keine Unterkunft im Brockenhotel frei, zum Zelten in der luftigen Höhe zu kalt. Ich wollte den Brocken schon streichen und umgehen, als ein Gast in der Pension mir eine Zugkarte mit der Brockenbahn anbot. Seine Frau war erkrankt und er hatte die gekaufte Karte übrig und schenkte sie mir. Ich musste am nächsten Tag nur zu der entsprechenden Zugstation wandern (ca. 8 km) und dort einsteigen. Somit war ich um 12 Uhr auf dem Brocken und war heilfroh, dort kein Zimmer bekommen zu haben. Soviel Menschen und Hektik war ich nicht mehr gewohnt. Ich habe dann einige Bilder gemacht und bin wieder den Abstieg nach Ilseburg gegangen. Auf dem Abstieg habe ich Beate kennengelernt, mit der ich mich super unterhalten habe. Wir haben uns über unsere Berufe unterhalten, was wir heute tun und was die Träume als Kind waren. Sie hat mich zu einem Kaffee eingeladen, dann trennten sich unsere Wege. Ich bin dann über Ilseburg nach Papenburg gewandert und war total erledigt. Auf meinem Weg beschäftigte mich die Frage, wie ich meine Interessen und Fähigkeiten beruflich kombinieren kann. Ich habe Anfang des Jahres mit 3 Kollegen die Firma Vanatix GmbH gegründet, die Experten im SAP ICM Umfeld sind ( komplexe Software für Provisionsmanagement ). Dieser Schritt ist die Erfüllung meines langjährigen Traumes, mit so tollen und kompetenten Menschen eine Firma zu gründen mit einer Tätigkeit, die mich begeistert. Ich wollte als Kind und Jugendlicher Műllfahrer, Schrankenwärter, Pastor und Pilot werden. In dieser Reihenfolge, wobei Pastor mich sehr lange begleitet hat. Und Technik und Programmierung ist meine Leidenschaft seit dem C16, dem kleinen Bruder des C64. (Fragt eure Eltern was das ist :-)) Ich fühle, dass ich gerne etwas weitergeben möchte, was andere Menschen unterstützt. Ihr habe daher neben meinem geliebten Beruf als ICM-Berater Ausbildungen zum Mediator, Coach und Heilpraktiker gemacht. Außerdem beschäftige ich mich mit meiner eigenen Bewußtseinsarbeit. Nun stehe ich anscheinend vor der Wahl, welche Richtung ich gehen will. Aber ist es ein "Entweder oder" oder gibt es ein "und"? Um mich mit diesen Themen zu beschäftigen, beende ich das ursprüngliche Thema der Entbehrungen. Daher werde ich jetzt nach 4 Wochen mein Projekt ändern und eigenes Geld einsetzen. Ich habe die Erfahrung gemacht, wie es ist, von anderen Menschen abhängig zu sein und um Nahrung zu bitten. Eine Weiterführung bringt mir keine neuen Erfahrungen sondern behindert meine Ausrichtung auf die neue berufliche Ausrichtung. Ich bin gespannt, wie sich das weiterentwickelt. Am Abend der Wanderung bin ich ziemlich abgekämpft in Papenburg angekommen. Ich habe dann einen Bauernhof gefunden, der ein Erlebnis ist. Die Besitzer betreibt den Hof mit voller Leidenschaft, 7 Tage die Woche mit viel Aufwand. Und das Leuchten in den Augen des Landwirts verrät, dass er seine Lebensaufgabe gefunden hat. Diese Ausstrahlung und Klarheit ist mein Ziel. Die Besitzer haben mich zur Brotzeit eingeladen und ich durfte mein Zelt zwischen den Koppeln aufbauen. So war ich von Schweinen, Schafen, Hühnern und Katzen umgeben. Das Orchester hat mich um 5 Uhr geweckt, aber es war toll. Im Zelt zu liegen und diese Tiergeräusche zu hören ist für mich eine tolle Erfahrung. Leider war die Nacht wieder kalt... Eure Grenzpate

29. Juli 2015

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Tag 27 - Von Sorge über den Brocken und Ilseburg nach Papenburg (38 km)

In Sorge hatte ich eines sehr günstige Pension gefunden und super geschlafen. Endlich mal nicht mehr frieren. Für die Tagestour zum Brocken standen die Vorzeichen schlecht. Keine Unterkunft im Brockenhotel frei, zum Zelten in der luftigen Höhe zu kalt. Ich wollte den Brocken schon streichen und umgehen, als ein Gast in der Pension mir eine Zugkarte mit der Brockenbahn anbot. Seine Frau war erkrankt und er hatte die gekaufte Karte übrig und schenkte sie mir.
30.Juli 2015 Heute heißt es Abschied nehmen von Kai, der mich jetzt eine Woche begleitet hat. Natürlich bin ich traurig, jetzt wieder alleine weiterzugehen, da wir eine gute Zeit und tolle Gespräche hatten. Aber so ist es im Leben, wir lassen etwas los das uns vielleicht noch am Herzen liegt um Platz für neue Erfahrungen zu machen. Mit diesem Bewusstsein fällt es mir leichter, allein weiterzugehen. Und auch die Traurigkeit darf und muss sein. Im Gegensatz zum Beginn meiner Reise beherrscht sie mich aber nicht mehr, sondern begleitet mich. Und es ist ein Ausdruck und Wertschätzung der Freundschaft. Wir hatten noch einen schönen Wandertag bis Duderstadt, wo Kai in den Bus gestiegen ist. Ich bin anschließend bis Fuhrbach weitergewandert. Je länger ich gelaufen bin, desto mehr wandelte sich die Traurigkeit in Dankbarkeit. Ich machte mir keine Sorgen um einen Zeltplatz sondern ging davon aus, dass er auf mich wartet. Und so war es. In Fuhrbach kam ich auf ein Dorffest, wo auf einer Grossleinwand "Herr der Ringe" gezeigt wurde. Hier wurde ich total herzlich aufgenommen und eingeladen. Ich habe die Bürgermeisterin, ihren Stellvertreter und tolle Bewohner des Dorfes kennengelernt. Sie haben mich zum Essen und Trinken eingeladen und ich habe tolle Gespräche geführt. Die Menschen in den Dörfern sind gegenüber Fremden sehr aufgeschlossen. So sollten sich Menschen begegnen, offen und neugierig. Bewerten können wir anschließend. Es ist auch interessant, wie viel Menschen an meiner Wanderung interessiert sind und sich inspirieren lassen. Und es geht nicht um die Wanderung, sondern darum, mal aus seiner gewohnten Komfortzone herauszugehen und etwas "Verrücktes" zu machen. Denn damit verrückst Du deine Grenzen. Die Dorfgemeinschaft hat mir angeboten, am Sportplatz zu übernachten. Dort trainierte noch die erste Fußballmannschaft und ich konnte bei den Männern duschen. Wow, was für ein Tag und was für Begegnungen. Ich habe mein Zelt unter einem stehenden Festzelt aufgebaut, damit war die Nacht warm und trocken. Ich bin auf die nächsten Tage gespannt. Euer Grenzpate

1. Aug. 2015

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Tag 24 - Von Weissenborn nach Fuhrbach (29 km)

Heute heißt es Abschied nehmen von Kai, der mich jetzt eine Woche begleitet hat. Natürlich bin ich traurig, jetzt wieder alleine weiterzugehen, da wir eine gute Zeit und tolle Gespräche hatten. Aber so ist es im Leben, wir lassen etwas los das uns vielleicht noch am Herzen liegt um Platz für neue Erfahrungen zu machen.
27.Juli 2015 Der Weg ging lange an der Werra entlang und zum Schluss über einen sehr steilen Plattenweg hinauf nach Bornhagen. Wir haben kurz vor Bornhagen einen guten Platz zum Zelten am Fuß der Burg Hanstein gefunden. Der ganze Tag war sehr regnerisch und auch die Nacht wurde nicht besser. Es ist schon zermürbend, wenn es nachts nicht richtig warm im Schlafsack wird. Trotzdem haben wir gut geschlafen, auch bei kräftigem Wind und Regen. An dem Abend kam eine junge Familie an unserem Platz vorbei. Wir erzählten von der Wanderung und sie wünschten uns alles Gute. Ca. 20 Minuten später kam der Mann mit seinem Auto zurück und brachte uns Wasser, Wein und Schokolade. Wow, was für eine berührende Aktion. Es gibt Menschen, die sind von der Wanderung und uns berührt, andere sind ablehnend und ängstlich. Und offensichtlich hat das nichts mit mir zu tun. Wie im "richtigen" Leben. Wir haben die Familie noch am nächsten Tag besucht um ein Foto zu machen. Die Frau hat aus ihrem Hobby ihren Beruf gemacht, sie näht mittelalterliche Kostüme. Toll, diese Menschen machen einen sehr geerdeten und glücklichen Eindruck. Das ist auch eine meiner Fragen auf dieser Reise, "Was ist meine Berufung, was will ich leben". Momentan habe ich die Klarheit noch nicht gefunden.

4. Aug. 2015

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Tag 21 - Von Bad Sooden nach Bornhagen (20 km)

Der Weg ging lange an der Werra entlang und zum Schluss über einen sehr steilen Plattenweg hinauf nach Bornhagen. Wir haben kurz vor Bornhagen einen guten Platz zum Zelten am Fuß der Burg Hanstein gefunden.
13..August 2015 Heute bin ich über einige Umwege nach Dannenberg gewandert. Dabei bin ich hauptsächlich an der Jeetzel gelaufen, meistens auf dem Damm. Das ist zwar sehr heiß, aber auch landschaftlich sehr schön. Ich komme dabei in einen Automatik-Wandermodus, der die Gedanken schweifen lässt. Mein Bein schmerzt noch, aber ich habe das Gefühl, die Schwellung geht zurück. Unterwegs habe ich eine nette Dame getroffen, die mit ihrem Hund unterwegs war. Wir haben uns sehr gut und offen unterhalten. Es ging dann um das Thema Schwiegermutter, ein gut bekanntes Thema. Sie erzählte mir von ihrem Mann, beruflich außerordentlich erfolgreicher Manager, der sich mit 50 Jahren noch nicht von der Mutter abgenabelt hat. Daher liegt sie im ständigem Kampf und Wettstreit, was zur Trennung geführt hat. Trotzdem lieben sich beide, sehen aber keinen Ausweg und entwickeln depressive Symptome. Ein ganz heißes Thema, aber oft in Beziehungen sehr präsent. Auf der anderen Seite sind es oft die Männer, die gegen ihre Schwiegerväter bestehen müssen. Und ich kenne dieses Thema auch gut aus meinem Leben. Meine Wanderung dient auch dazu, emotional nicht von anderen Menschen abhängig zu sein sondern allein mit mir glücklich zu sein. Das betrifft natürlich vor allem den Menschen, mit dem ich am engsten verbunden bin, meine Frau. Das ist für mich ebenfalls eine neue Erfahrung, denn Einsamkeit habe ich bisher nicht aushalten können. Erst nach den vielen Jahren eigener Entwicklungsarbeit komme ich nun zu dem Punkt, dass ich gut allein sein kann und mich immer mehr selbst so annehmen und lieben, wie ich bin. Und das auch mehr und mehr ohne die ständige Bestätigung von außen, wobei ich das immer noch sehr mag. Und damit kann ich eine echte Partnerschaft mit meiner Frau leben. Und versteht mich hier richtig, es geht darum, sich selbst zu lieben ohne selbstverliebt und narzisstisch zu sein.Ein ganz heißes Thema, kam aber in der Unterhaltung auf und hat mich noch für einige Zeit der Wanderung beschäftigt. Heute ist die Frage des "Mannseins" nach all den positiven Entwicklungen der Frauen in unserer Gesellschaft endlich präsent. Ich habe mich dem Thema gestellt und ein Männerjahr als Training gemacht, was mich in meiner Rolle als Mann geändert und bewusster gemacht hat. Solche Gedanken und Themen kommen jetzt beim Wandern hoch und beschäftigen mich einige Zeit. Was ich sonst im Alltagsstress wegschiebe, kompensiere oder verdränge, findet hier Platz und Zeit und ich kann es zulassen ohne Angst, etwas scheinbar Wichtigeres zu verpassen. Das ist ein echter Luxus sich diese Zeit zu nehmen. Ich bin dann gegen 16 Uhr in Dannenberg angekommen und auf dem Zeltplatz übernachtet. Dort war ein holländisches Paar, ca. 50 Jahre alt, die jedes Jahr für 2 Wochen zusammen mit dem Fahrrad durch Europa fahren um auf Zeltplätzen zu übernachten und sich zu "erden". Beide sind beruflich sehr erfolgreich und wollen in der schnelllebigen Welt nicht den Kontakt zum Boden verlieren. Das fand ich eine sehr bemerkenswerte Einstellung.

18. Juli 2015

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Tag 38 - Von Lüchow nach Dannenberg (26 km)

Heute bin ich über einige Umwege nach Dannenberg gewandert. Dabei bin ich hauptsächlich an der Jeetzel gelaufen, meistens auf dem Damm.
10.August 2015 Ich bin gegen 8 Uhr in Brome aufgebrochen und den direkten Weg nach Salzwedel gewandert. Auf den ersten 10 Kilometern ging es mir super gut, danach kamen die Schmerzen im Bein zurück ab 20 km kam mein Einbruch. Ich hatte starke Schmerzen und bin dann die letzten 10 km per Anhalter gefahren. Wow, das ist schon ewig her, dass ich das gemacht habe. Und den Daumen zu heben ist für mich ziemlich schambesetzt. Zuerst habe ich versucht, es irgendwie abzuschwächen und es nur halbseiden gemacht. Ohne Erfolg. Dann habe ich mich entschieden es auch so zu meinen und dazu zu stehen. Also habe ich die Autofahrer angeschaut und den Daumen klarer hochgehalten. Die Reaktionen der Autofahrer sind schon interessant, ich kenne sie auch von mir. Viele schauen interessiert, bremsen kurz ab und entscheiden sich dann wieder anders. Ein Abbremsen und Halten bedeutet auch für die Fahrer eine gewisse Überwindung. Nach kurzer Zeit hat mich ein Transporter ein Stück mitgenommen. Ich habe den Fahrer gefragt, warum er mich mitgenommen habe. Er sagte, entscheidend waren der Augenkontakt und die klare Ausstrahlung. Ich bin noch mit 2 weiteren Fahrern mitgefahren, es ging ziemlich schnell als ich selber dazu stand. Es ist wie im Leben. Wenn du etwas tust, wo du nicht voll dahinterstehst ist die Aussicht auf Erfolg eher gering, denn deine unklare Ausstrahlung verrät dich. Das betrifft Beziehungen und Tätigkeiten. Ich habe es in meinem eigenen Leben erfahren. Heute versuche ich, die Dinge, die ich tue und die Beziehungen, die ich lebe, mit voller Absicht und aus dem Herzen zu leben. Gelingt in nicht immer, aber immer öfter. Und es ist manchmal einfach eine bewusste Entscheidung, diese Einstellung zu bekommen. Solange ich im innerlichen Widerstand und Scham war, konnte ich keinen klar denkenden und fühlenden Mitmenschen dazu bewegen, mich mitzunehmen. Wie soll er mir vertrauen wenn ich mir selber nicht vertraue? Und dann habe ich mich entschieden, das "Trampen" wirklich so zu meinen und dazu zu stehen. Ich denke, das strahlt man aus und das bewirkt etwas in der Umwelt. Ich wurde dann authentisch und ehrlich wahrgenommen. Das war für mich die Erkenntnisperle des Tages. Ich bin dann gut in Salzwedel angekommen und übernachte in einer Pension auf eine Reitanlage. Abseits der Stadt und mit Blick auf die Pferdekoppel. Morgen nehme ich einen Pausentag um mein Bein zu entlasten und mir Salzwedel anzuschauen.

21. Juli 2015

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Tag 35 - Von Brome nach Salzwedel (32 km)

Ich bin gegen 8 Uhr in Brome aufgebrochen und den direkten Weg nach Salzwedel gewandert. Auf den ersten 10 Kilometern ging es mir super gut, danach kamen die Schmerzen im Bein zurück ab 20 km kam mein Einbruch. Ich hatte starke Schmerzen und bin dann die letzten 10 km per Anhalter gefahren.
07.August 2015 Ich bin wieder um 5 Uhr aufgestanden und um 6:30 losgewandert. Das ist bei der Hitze optimal, morgens wacht die Natur auf ( leider auch die Mücken ), die Luft ist frisch und die Temperatur angenehm. Es ist super zu laufen und ich war schon gegen 12 Uhr in der Pension. Endlich habe ich Zeit, mir das Dorf anzusehen und mit den Einheimischen zu sprechen. Die Hetze und Kilometer-Jagd der ersten Wochen hat mir diese Möglichkeiten nicht gegeben, oder besser gesagt, ich habe sie nicht genutzt. Wahnsinn, es ist wie im Leben. Ein Ziel zu haben ist super, sich darin zu verbeißen ist eher schädlich für die Lebensfreude. Und ich habe mich in vielen Jahren meines Lebens verbissen und das wäre auch auf der Wanderung passiert, wenn nicht euer hilfreiches Feedback mich zur Überprüfung meines Wanderziels gebracht hätte. Und ich kann diese Unterstützung endlich annehmen, dafür vielen Dank. Natürlich zahle ich auch für das frühe Aufstehen einen Tribut, um 21 Uhr fällt bei mir der Hammer. Insgesamt ist es aber ein viel leichteres und freudigeres Wandern. Ich höre gerne den Menschen zu, und es gibt so viele Geschichten zu dem Leben an der Grenze. Die Menschen in den Grenzdörfern sind größtenteils sehr offen. Gestern Abend habe ich mit einem Ehepaar im Lokal "Steinkrug" an einem Tisch gesessen und die haben mir von der Zeit der DDR erzählt. Es gab nette, gute Zeiten und natürlich viel Regulierung und Bevormundung. Eine kuriose Geschichte ist, dass der Mann bei der Feuerwehr war und es im Grenzstreifen ein Feuer gab. Bei den Löscharbeiten waren 6 Feuerwehrleute mit der Brandbekämpfung und 19 Soldaten zur Sicherung der Grenzsicherung im Einsatz. Und der Löscheinsatz konnte erst beginnen, wie die Wachmannschaft vollständig vor Ort war. Es war "Gott sei Dank" nur ein Fahrzeugbrand eines Wachfahrzeugs ohne Personenschaden. Viel zu retten war nach der langen Zeit nicht mehr. Oder dass man abends in der Kneipe nach ein paar Bier lieber nicht zu seiner Frau sagte: "Lass uns abhauen". Denunzianten bekamen 100 Ostmark und davon gab es anscheinend viele. Und die Dörfer, die ich jetzt sehe und wahrnehme, haben alle eine spannende Geschichte zu erzählen. Leider ziehen die jungen Leute aber weg, sodass die Dörfer ums Überleben kämpfen. Und Weferlingen hat viele alte Fachwerkhäuser und historische Gebäude. Die nette Dame vom Heimatverein hat mir in ihrer freien Zeit die Burg gezeigt. Der Ort war im 19. Jahrhundert sehr begehrt, da es hier schon ein Gymnasium gab. Die Wanderung macht mir immer mehr Freude, ich entdecke einige Muster in mir. Wenn jetzt noch meine Schmerzen im Bein abklingen wäre es super. Von der Wanderung selber gibt es gar nicht so viel Neues zu berichten. Die Plattenwege sehen überall gleich aus und mir ging es auf der Wanderung gut. Ich bin jetzt im nördlichen Tiefland angekommen, sodass die Höhenunterschiede keine große Rolle mehr spielen. Es ist für mich ein riesiger Gewinn, bewusster und aufmerksamer die Reise wahrzunehmen. Ich freue mich auf morgen. Euer Grenzpate

24. Juli 2015

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Tag 32 - Von Helmstedt nach Weferlingen (21 km)

Ich bin wieder um 5 Uhr aufgestanden und um 6:30 losgewandert. Das ist bei der Hitze optimal, morgens wacht die Natur auf ( leider auch die Mücken ), die Luft ist frisch und die Temperatur angenehm. Es ist super zu laufen und ich war schon gegen 12 Uhr in der Pension.
04.August 2015 Was kann ich über diesen Tag schon groß berichten? Er war nicht anstrengend, dramatisch oder schwer, er war für mich aber besonders. Besonders leicht, schön und angenehm. Gerade dies bringt in mir aber ein schlechtes Gewissen oder Gefühl hervor, dass ich nicht gerne fühle. Ein altes bekanntes Gefühl, dass ich nicht richtig beschreiben kann. Es hat etwas von Scham, dass ich an diesem Tag nichts Produktives getan habe. Und das ohne eine gute Begründung wie Krankheit oder Verletzung. Ich nehme mir den Tag einfach frei und genieße ihn. Einfach so. Das erzeugt in mir Stress und schlechtes Gewissen. Hatte ich mir nicht vorgenommen einen besonders harten Weg zu gehen, der mir eure Bewunderung und Anerkennung bringt? Der mir von außen das gibt, was ich mir selber vielleicht nicht zu gestehe? Wenn ich ehrlich bin, habe ich Angst davor, dass mir Andere meine Entscheidung übel nehmen oder es schlecht finden. Ich habe doch ein Commitment gegeben, an dem ich normalerweise festhalte, auch wenn mein Herz leise "Nein" sagt. Und nun ändere ich meinen Plan und tue, was mir mein Gefühl sagt. Einfach so und ohne euch um Zustimmung zu fragen. Vielleicht gibt es sogar Gegenwind und Kritik. Ich weiß nicht, ob du das Gefühl kennst, für mich ist es eine echte Begrenzung. Also, ich genieße den heutigen Tag und setze wieder eigenes Geld ein. Und es eröffnet mir neue Erfahrungen und Möglichkeiten. Ich habe neue Energie und Aufmerksamkeit für diese Lebensfragen. Vielleicht muss man nicht hart für seinen Erfolg arbeiten, vielleicht muss man für sich nur herausfinden, was Erfolg ist. Darüber mache ich mir Gedanken, wann bin ich erfolgreich? Vielleicht wenn ich das gleiche Leuchten in den Augen habe wie der Landwirt oder einige Menschen, die ich getroffen habe. Und es ist sicherlich nicht vom materiellen Reichtum abhängig, obwohl er auch gerne sein darf. Wow, was für Fragen und Gedanken auftauchen, wenn man aus dem alltäglichen Leben ausschert und ohne Ablenkung diese Gefühle und Fragen zulässt. Gut, dass es in meinem Rucksack keinen Fernseher gibt. Und ich bin froh, dass ich noch genügend Tage und Kilometer habe um mich diesen Themen zu widmen. Natürlich möchte ich euch auch mitteilen, was für schöne Begegnungen ich heute in Hornburg hatte. So habe ich bei der Fußpflegerin Siglinde Schulz eine kostenlose Behandlung meiner wunden Füße bekommen. Ich hatte Schmerzen am Nagel und sie hat mir noch kurzfristig einen Termin gegeben. Eine tolle und herzliche Frau, die mir damit meine weitere Reise sehr erleichtert. In der hiesigen Apotheke haben sie mich Tape und Elektrolyte versorgt und in der Pension Reinhardt fühle ich mich sehr wohl. Diese Stadt ist mit den vielen Fachwerkhäusern sehr schön und hat sogar einige nette Lokale. Und eine Kugel Eis kostet hier 80 Cent:-)

27. Juli 2015

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Tag 29 - Ruhetag in Hornburg

Was kann ich über diesen Tag schon groß berichten? Er war nicht anstrengend, dramatisch oder schwer, er war für mich aber besonders. Besonders leicht, schön und angenehm. Gerade dies bringt in mir aber ein schlechtes Gewissen oder Gefühl hervor, dass ich nicht gerne fühle.
01.August 2015 Heute bin ich wieder eine lange Strecke mit vielen Steigungen gegangen. Nachdem die letzte Nacht im Zelt sehr kalt war (nur 2°C) habe ich mich entschlossen, eine günstige Pension zu finden. Diese habe ich in Sorge am Bahnhof gefunden, äußerst günstig, freundlich und sauber. Traumhaft, mal wieder im warmen Bett zu schlafen. Ich merke, dass ich jetzt etwas langsamer gehen muss, der Körper meldet sich mit Müdigkeit. Ich habe mich heute ziemlich über die Strecke gequält, die landschaftlich sehr schön ist. Aber der Harz hat es in sich. Erstmals begegne ich hier Tageswanderer auf dem Grenzweg, es ist also nicht so einsam wie bisher. Ich freue mich über eure Unterstützung und Kommentare, dass unterstützt und motiviert mich sehr. Es ist interessant, dass viele von uns mal für kurze Zeit etwas "Verrücktes" tun möchten und neue Erfahrungen machen möchten. Es ist unglaublich, wie sich Wege und Möglichkeiten ergeben, wenn man erst die Entscheidung getroffen hat und auf dem Weg ist. Ich bin sehr berührt und dankbar für die Unterstützung, die mir fremde Menschen auf meine Reise zukommen lassen, sei es mit Lebensmitteln, Geld oder sonstiger Hilfe. Das hätte ich nicht für möglich gehalten. Wow, die Ängste, Zweifel und Einsamkeit haben mich zu Anfang der Reise im Griff gehabt. Mittlerweile hat sich dies in Vertrauen ins Leben. und in mir selbst gewandelt. Das heißt nicht, dass diese Gefühle nicht mehr hochkommen, aber sie sind nicht mehr so bedrohlich für mich. Heute kam Traurigkeit auf, als ich an meinen verstorbenen Vater dachte, ich kann diese Traurigkeit jetzt aber zulassen, fühlen und in Wertschätzung wieder loslassen. Das ist für mich eine ganz neue Art, "unangenehme" Gefühle zu erleben, sie gehören zu mir. Falls ihr ein Projekt habt, was ihr vom Herzen gerne machen möchtet und euer Kopf und evtl. Umfeld euch warnt und abhält, ist meine Erfahrung " Hört auf euer Herz, eure innere Stimme". Es werden sich Lösungen und Wege ergeben, wenn du dafür offen bist. Für mich als Kopfmensch ist das eine revolutionäre Erfahrung und Erweiterung meiner Möglichkeiten. Und das heißt nicht, dass ich zukünftig meinen Kopf ausschalte, es erweitert meine Fähigkeiten. Und ich werde nicht mein Leben im Zelt verbringen, ich liebe weiterhin meine Komfortzone und Luxus. Nachdem ich in den ersten vier Wochen die Erfahrung gemacht habe, dass für mich gesorgt ist und ich dem Leben vertrauen kann, geht es im 2. Teil meiner Reise um meine Lebensvision. Wie möchte ich die Zeit, die mir noch geschenkt ist, einsetzen und verbringen. Was möchte ich tun, mit wem möchte ich sein und wie möchte ich mich entwickeln? Ich habe die Erfahrung mit der Abhängigkeit und Entbehrung gemacht, das war für mich ein Meilenstein in der Entwicklung. Diese Erfahrungen habe ich gemacht, sie stärken mich ungemein. Jetzt ist es Zeit, neue Erfahrungen und Entwicklungen zu machen. Heute gehe ich Richtung Ilseburg, wo ich mich von meinem Schlafplatz finden lasse. Euer Grenzpate

30. Juli 2015

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Tag 26 - Von Bad Sachsa nach Sorgen (29 km)

Heute bin ich wieder eine lange Strecke mit vielen Steigungen gegangen. Nachdem die letzte Nacht im Zelt sehr kalt war (nur 2°C) habe ich mich entschlossen, eine günstige Pension zu finden.
29.Juli 2015 Die Witterungsbedingungen sind momentan sehr herausfordernd. Die kalten Nächte im Zelt und der Regen am Tage prüft meine Absicht und Willen schon sehr. Letzte Nacht war es so kalt und windig, dass mir in meinem Schlafsack kalt war. Und der Schlafsack hat eine Komfortzone bis 4 Grad! Es ist interessant, dass sich Situationen und Begegnungen ergeben, wenn man sie braucht. Wir waren abends an der Burg und hatten kein Wasser mehr. Unsere Ausrichtung: dass wir Wasser bekommen und kurze Zeit später kam der Jäger und brachte uns Wasser, Wein und Schokolade. In den einsamen Dörfern gibt es keine Lebensmittel-Läden oder Gaststätten. Oftmals sind sie wie ausgestorben. Wir hatten kein Brot mehr und suchten nach einer Einkaufsmöglichkeiten. Nichts zu machen, also machten wir Pause in einer Bushaltestelle. Genau zu dem Zeitpunkt kam der mobile Supermarkt Lempke. Ist das Zufall oder bewirkt die positive Ausrichtung so etwas? Nachdem ich aufhöre, mir über einen Schlafplatz oder Nahrung Sorgen zu machen sondern darauf vertraue, dass es zu mir kommt, kann ich die Reise genießen und der Schlafplatz findet mich. Ich muss nur bereit sein, dies zuzulassen. Mit dieser Ausrichtung gehe ich weiter. Ich werde von den Dingen oder Umständen gefunden, die ich einlade. Bin gespannt...

2. Aug. 2015

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Tag 23 - Von Reiffenhausen nach Weissenborn (26 km)

Die Witterungsbedingungen sind momentan sehr herausfordernd. Die kalten Nächte im Zelt und der Regen am Tage prüft meine Absicht und Willen schon sehr. Letzte Nacht war es so kalt und windig, dass mir in meinem Schlafsack kalt war. Und der Schlafsack hat eine Komfortzone bis 4 Grad!
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