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Grenzwanderung

Herzlich Willkommen in meinem Blog.

Eine Wanderung an der ehemaligen innerdeutschen Grenze, 1100 km, mit Rucksack und Zelt und die ersten Wochen ohne Geld.
Als Coachpotato und "Kopfmensch" alleine in der Einsamkeit der alten Grenze.

26.August 2015 Heute bin ich um 11 Uhr aus Dassow losgegangen. Vorher habe ich dort noch 3 Rosen für das Wiedersehen mit meiner Frau gekauft. Heute ist es soweit, wir sehen uns endlich wieder und meine 7 wöchige Reise geht zu ende. Und ich freue mich sehr auf die "Wiedervereinigung" mit meiner Liebsten. Ich merke, dass ich etwas nervös bin, weiche Knie habe, wie bei dem ersten Treffen. Ich bin verliebt. Also gehe ich voller Freude die letzten Kilometer um den Dassower See. Eine wirklich schöne Strecke mit teils sehr trauriger Grenzgeschichte. Christine und ich haben uns um14 Uhr am Strand verabredet, wo die Grenze endete. Ich habe diese letzten Stunden der Wanderung nochmal sehr genossen, ich bin sehr bewusst und freudig den Weg gegangen. Es wird wohl noch einige Zeit im Anschluss brauchen, bis ich die Erfahrungen und Begegnungen wirklich integriert habe. Kurz vor dem Ziel habe ich mich dann nochmal in ein undurchdringliches Dickicht am Grenzweg verirrt. Und ich wollte pünktlich am Ziel sein. Zum Glück habe ich den freien Wanderweg schnell gefunden und bin um14 Uhr angekommen. Als ich ankam, hat Christine Herzchenballons aufgehängt und am Strand ein Picknick vorbereitet. Ein toller, sehr emotionaler Empfang von einer tollen, emotionalen Frau. Ich bin total verliebt. Obwohl es noch anfing zu regnen, haben wir unser Wiedersehen gebührend gefeiert. Zum Schluss habe ich nach alter Pilger-Tradition noch meine Taufe in der Ostsee genommen. Damit geht dieses große Abenteuer zu ende. Ich danke euch allen, dass ihr mich auf der Reise begleitet habt. Ich werde auf dieser Seite weiterhin meine Erfahrungen und Erkenntnisse mitteilen. Zum Schluss möchte ich mich noch herzlich bei den beiden Damen bedanken, die diese Kommunikation erst ermöglicht haben: Meine Tochter, Esther Niederhaus, die neben ihrem Studium und Arbeit die Facebook Seite von Grenzpate mit Leben, Inhalt und Ideen gefüllt hat. Während meiner Wanderung hat sie die komplette FB-Seite alleine betreut. Sabine Orth, die meine Internetseite erstellt hat und meine Rohfassung des täglichen Blogs ins Internet gestellt hat. Sie unterstützt mein Projekt mit viel Herzblut. Euer Grenzpate

6. Juli 2015

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Tag 50 - Von Dassow nach Priwall (15 km)

Heute bin ich um 11 Uhr aus Dassow losgegangen. Vorher habe ich dort noch 3 Rosen für das Wiedersehen mit meiner Frau gekauft. Heute ist es soweit, wir sehen uns endlich wieder und meine 7 wöchige Reise geht zu ende.
22.August 2015 Heute bin ich wieder alleine unterwegs. Ich finde es auf der einen Seite traurig, dass Thomas wieder weg ist auf der anderen Seite sind es nur noch 3 Tage, die mein Abenteuer dauert. Und ich bin körperlich ziemlich ausgelaugt, die Beine und der Rücken schmerzt, und auch mental bin ich müde. So ist das, wenn eine große Anstrengung dem Ende entgegen geht und das Ziel vor Augen ist. Im Bergsport passieren in dieser Phase die meisten Unfälle, wenn die Konzentration nachlässt. Also heißt es für mich "Wachsam sein bis zuletzt". Ich komme mir vor wie auf der letzten Etappe der "Tour de France", wenn der Sieger bereits feststeht und diese Etappe zur Belohnung und zum Genießen dient. Die letzten Tage werde ich nutzen, um noch einmal die Reise nachzuempfinden. Es sind soviel Eindrücke und Erfahrungen, die ich noch gar nicht richtig verarbeitet habe. Der Weg war sehr angenehm und hat mir viel Freude gemacht. Heute hatte ich eine gemütliche Tour bis Ratzeburg und dann weiter bis zum Campingplatz "Zur schönen Aussicht" in Römnitz, der echt sehr schön am See liegt. Die Betreiber des Platzes sind ebenfalls sehr wanderbegeistert, trotz ihrer 76 Jahre. Ich habe mir noch Ratzeburg angeschaut, eine schöne Stadt. Ich habe mir gestern die Frage gestellt, was ich von meiner Reise mitnehme? Nicht nur Schmerzen und Müdigkeit sondern vor allem ein neues Bewusstsein. Das Bewusstsein, dass jeder Weg, mag er auch noch so lang sein, mit dem ersten Schritt beginnt. Und ich hätte den Weg nicht durchgehalten, wenn dies nicht eine echte Herzensangelegenheit gemischt mit einer Vision gewesen wäre. Mein Herz hat nach einer männlichen Herausforderung in der Natur gesucht, wo ich an meine Grenzen komme und meine männlichen Eigenschaften stärken kann. Dies sind vor allem der Umgang mit Einsamkeit, Angst, Entbehrungen und das intensive Gefühl von Traurigkeit. All dies habe ich in den ersten Wochen intensiv erlebt. Und es ist nicht so, dass ich diese Gefühle und Situationen jetzt leichter "ertrage", ich kann jetzt aber damit umgehen ohne, dass es meine Existenz bedroht. Meine Vision ist es, dass meine Erlebnisse der Reise andere Menschen inspiriert ebenfalls ihre Träume und Vorstellungen "anzupacken". Ich bin gespannt, wie das "normale" Leben für mich aussieht und was ich von dieser Reise in meinen Alltag mitnehme. Die Gefahr ist hoch, dass die gewonnenen Erkenntnisse durch den Alltag wieder verloren gehen. Meine Absicht ist, genügend Aufmerksamkeit zu haben, dass dies nicht passiert. Heute geht es weiter Richtung Lübeck. Eurer Grenzpate

9. Juli 2015

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Tag 47 - Von Salem nach Römnitz (19 km)

Heute bin ich wieder alleine unterwegs. Ich finde es auf der einen Seite traurig, dass Thomas wieder weg ist auf der anderen Seite sind es nur noch 3 Tage, die mein Abenteuer dauert. Und ich bin körperlich ziemlich ausgelaugt, die Beine und der Rücken schmerzt, und auch mental bin ich müde.
19.August 2015 Heute bin ich wieder in strömenden Regen gewandert. Heute Morgen habe ich in einem kleinen Café gefrühstückt und die Menschen vom Nachbartisch haben sich umgesetzt. Ich kann bei dem Regen meine Sachen nicht auswaschen, da sie auch nachts nicht in der Pension trocknen. Ich hoffe, dass ich heute eine Pension mit Waschmaschine und Trockner finde. Wenn den ich den Regenponcho tagsüber tragen muss, entwickelt sich ein sehr intensiver Geruch. Ich werde mich auch gerne von mir wegsetzen, klappt aber nicht. Der Geruch quält mich selber, ich fühle mich echt schlecht und schäme mich. Und ich habe keine andere Wahl als den Poncho wieder im Regen anzuziehen. Das Frühstück habe ich schnell gegessen und war dann froh wieder allein unterwegs zu sein. Hygiene und saubere Wäsche ist so wichtig wie Nahrung um sich gut zu fühlen. Ich habe ja auf der Wanderung schon einige Regentage mitgemacht, so einen intensiven Eigengeruch habe ich noch nicht erlebt, Die Wanderung selbst war im Regen intensiv aber schön. Ich bin lange Zeit am Elbe-Lübeck Kanal entlang gelaufen, was mich schon sehr motiviert hat. Ich bin dann gegen 17 Uhr in Langenlesten angekommen und in die Pension Kohn gekommen. Frau Kohn hatte glücklicherweise einen Trockner und hat meine Wäsche gewaschen. Da sie eine herzliche, klare und direkte Frau ist, hat sie mir bestätigt, dass ich stinke wie ein Iltis. Um 18 Uhr kam Thomas und wir sind noch essen gegangen und haben uns toll unterhalten. Morgen geht es zum Schaalsee mit frisch gewaschenen Sachen ;-)

12. Juli 2015

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Tag 44 - Von Lauenburg nach Langenlesten (28 km)

Heute bin ich wieder in strömenden Regen gewandert. Heute Morgen habe ich in einem kleinen Café gefrühstückt und die Menschen vom Nachbartisch haben sich umgesetzt.
16.August 2015 Ich bin gegen 9 Uhr aufgebrochen und auf der ehemaligen Westseite der Elbe gewandert. Das Wetter war sehr wechselhaft was meiner Wanderfreude aber nicht geschadet hat. Ich bekomme immer mehr Freude an der Wanderung, ich treffe unglaublich interessante Menschen, die ich ansonsten wahrscheinlich nicht wahrgenommenen hätte. Ich bin heute gefragt worden, ob ich denn gefunden habe, was ich suche. Diese Frage hat mich heute auf der Tour beschäftigt und ich kann sie nicht klar mit ja oder nein beantworten. Eine Frage von mir ist, wie ich meine verbleibende Lebenszeit einsetze, was ist meine "Aufgabe" in diesem Leben und wofür"brenne" ich? Ich denke, ich habe am Anfang gedacht, es macht irgendwann auf der Reise "Womm", alles ist in hellem Licht und ich kenne alle Antworten und bin erleuchtet. Zumindest bei mir ist es nicht so, so sehr ich mich auch bemüht habe. Das ist wohl nicht mein Weg, also habe ich die Suche gestoppt und lasse alles auf mich zukommen. Ich finde vielmehr Menschen und Umstände, die mich im Herzen berühren. Durch den Zustand, dass ich viel Zeit und Aufmerksamkeit dafür habe, kann ich mich davon berühren lassen. Im Alltag sind tausend andere Gedanken und Zeitdruck mein Thema, da nehme ich diese Möglichkeiten gar nicht wahr. Momentan bin ich in einem "Modus" indem ich wenig an Gestern oder Morgen denke sondern den Augenblick genießen kann und diese Situationen mich emotional beeinflussen. Und wenn ich jetzt mit meinen Mitmenschen zusammen bin, gibt es keine Ablenkung oder Termine, daher ist der Kontakt sehr intensiv. Das macht wohl den großen Unterschied zum "normalen" Leben aus. Ich bin in diesen Augenblicken berührt und glücklich. Es ist ein Gefühl der inneren Wärme und Vollständigkeit. Ich kann es nicht besser erklären, aber dieses Gefühl von Glück und Zufriedenheit möchte ich so oft wie möglich in meinem Leben erleben. Leider kann ich es nicht kaufen oder erzwingen, es kommt anscheinend, wenn ich bereit bin, meinen ewigen Gedanken eine Pause zu geben. Und jeden Tag treffe ich Menschen, die mir einen Hinweis für meinen weiteren Weg geben. Ich muss eigentlich nur zuhören und für einen Augenblick jede Bewertung von Richtig und Falsch vergessen. So kann ich die Frage für mich so beantworten: Ich habe aufgehört zu suchen, ich lasse mich finden. Und die wichtigsten Beziehungen und Ereignisse kamen nicht durch "Suchen" sondern scheinbar durch Zufall. Aber den Zufall gibt es nicht, ich war in dem Augenblick bereit, mich finden zu lassen. Vielleicht wäre die gleiche Situation an einem anderen Tag unbemerkt an mir vorüber gezogen. Euer Grenzpate

15. Juli 2015

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Tag 41 - Von Neu Darchau nach Windischthun (21 km)

Ich bin gegen 9 Uhr aufgebrochen und auf der ehemaligen Westseite der Elbe gewandert. Das Wetter war sehr wechselhaft was meiner Wanderfreude aber nicht geschadet hat.
13..August 2015 Heute bin ich über einige Umwege nach Dannenberg gewandert. Dabei bin ich hauptsächlich an der Jeetzel gelaufen, meistens auf dem Damm. Das ist zwar sehr heiß, aber auch landschaftlich sehr schön. Ich komme dabei in einen Automatik-Wandermodus, der die Gedanken schweifen lässt. Mein Bein schmerzt noch, aber ich habe das Gefühl, die Schwellung geht zurück. Unterwegs habe ich eine nette Dame getroffen, die mit ihrem Hund unterwegs war. Wir haben uns sehr gut und offen unterhalten. Es ging dann um das Thema Schwiegermutter, ein gut bekanntes Thema. Sie erzählte mir von ihrem Mann, beruflich außerordentlich erfolgreicher Manager, der sich mit 50 Jahren noch nicht von der Mutter abgenabelt hat. Daher liegt sie im ständigem Kampf und Wettstreit, was zur Trennung geführt hat. Trotzdem lieben sich beide, sehen aber keinen Ausweg und entwickeln depressive Symptome. Ein ganz heißes Thema, aber oft in Beziehungen sehr präsent. Auf der anderen Seite sind es oft die Männer, die gegen ihre Schwiegerväter bestehen müssen. Und ich kenne dieses Thema auch gut aus meinem Leben. Meine Wanderung dient auch dazu, emotional nicht von anderen Menschen abhängig zu sein sondern allein mit mir glücklich zu sein. Das betrifft natürlich vor allem den Menschen, mit dem ich am engsten verbunden bin, meine Frau. Das ist für mich ebenfalls eine neue Erfahrung, denn Einsamkeit habe ich bisher nicht aushalten können. Erst nach den vielen Jahren eigener Entwicklungsarbeit komme ich nun zu dem Punkt, dass ich gut allein sein kann und mich immer mehr selbst so annehmen und lieben, wie ich bin. Und das auch mehr und mehr ohne die ständige Bestätigung von außen, wobei ich das immer noch sehr mag. Und damit kann ich eine echte Partnerschaft mit meiner Frau leben. Und versteht mich hier richtig, es geht darum, sich selbst zu lieben ohne selbstverliebt und narzisstisch zu sein.Ein ganz heißes Thema, kam aber in der Unterhaltung auf und hat mich noch für einige Zeit der Wanderung beschäftigt. Heute ist die Frage des "Mannseins" nach all den positiven Entwicklungen der Frauen in unserer Gesellschaft endlich präsent. Ich habe mich dem Thema gestellt und ein Männerjahr als Training gemacht, was mich in meiner Rolle als Mann geändert und bewusster gemacht hat. Solche Gedanken und Themen kommen jetzt beim Wandern hoch und beschäftigen mich einige Zeit. Was ich sonst im Alltagsstress wegschiebe, kompensiere oder verdränge, findet hier Platz und Zeit und ich kann es zulassen ohne Angst, etwas scheinbar Wichtigeres zu verpassen. Das ist ein echter Luxus sich diese Zeit zu nehmen. Ich bin dann gegen 16 Uhr in Dannenberg angekommen und auf dem Zeltplatz übernachtet. Dort war ein holländisches Paar, ca. 50 Jahre alt, die jedes Jahr für 2 Wochen zusammen mit dem Fahrrad durch Europa fahren um auf Zeltplätzen zu übernachten und sich zu "erden". Beide sind beruflich sehr erfolgreich und wollen in der schnelllebigen Welt nicht den Kontakt zum Boden verlieren. Das fand ich eine sehr bemerkenswerte Einstellung.

18. Juli 2015

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Tag 38 - Von Lüchow nach Dannenberg (26 km)

Heute bin ich über einige Umwege nach Dannenberg gewandert. Dabei bin ich hauptsächlich an der Jeetzel gelaufen, meistens auf dem Damm.
10.August 2015 Ich bin gegen 8 Uhr in Brome aufgebrochen und den direkten Weg nach Salzwedel gewandert. Auf den ersten 10 Kilometern ging es mir super gut, danach kamen die Schmerzen im Bein zurück ab 20 km kam mein Einbruch. Ich hatte starke Schmerzen und bin dann die letzten 10 km per Anhalter gefahren. Wow, das ist schon ewig her, dass ich das gemacht habe. Und den Daumen zu heben ist für mich ziemlich schambesetzt. Zuerst habe ich versucht, es irgendwie abzuschwächen und es nur halbseiden gemacht. Ohne Erfolg. Dann habe ich mich entschieden es auch so zu meinen und dazu zu stehen. Also habe ich die Autofahrer angeschaut und den Daumen klarer hochgehalten. Die Reaktionen der Autofahrer sind schon interessant, ich kenne sie auch von mir. Viele schauen interessiert, bremsen kurz ab und entscheiden sich dann wieder anders. Ein Abbremsen und Halten bedeutet auch für die Fahrer eine gewisse Überwindung. Nach kurzer Zeit hat mich ein Transporter ein Stück mitgenommen. Ich habe den Fahrer gefragt, warum er mich mitgenommen habe. Er sagte, entscheidend waren der Augenkontakt und die klare Ausstrahlung. Ich bin noch mit 2 weiteren Fahrern mitgefahren, es ging ziemlich schnell als ich selber dazu stand. Es ist wie im Leben. Wenn du etwas tust, wo du nicht voll dahinterstehst ist die Aussicht auf Erfolg eher gering, denn deine unklare Ausstrahlung verrät dich. Das betrifft Beziehungen und Tätigkeiten. Ich habe es in meinem eigenen Leben erfahren. Heute versuche ich, die Dinge, die ich tue und die Beziehungen, die ich lebe, mit voller Absicht und aus dem Herzen zu leben. Gelingt in nicht immer, aber immer öfter. Und es ist manchmal einfach eine bewusste Entscheidung, diese Einstellung zu bekommen. Solange ich im innerlichen Widerstand und Scham war, konnte ich keinen klar denkenden und fühlenden Mitmenschen dazu bewegen, mich mitzunehmen. Wie soll er mir vertrauen wenn ich mir selber nicht vertraue? Und dann habe ich mich entschieden, das "Trampen" wirklich so zu meinen und dazu zu stehen. Ich denke, das strahlt man aus und das bewirkt etwas in der Umwelt. Ich wurde dann authentisch und ehrlich wahrgenommen. Das war für mich die Erkenntnisperle des Tages. Ich bin dann gut in Salzwedel angekommen und übernachte in einer Pension auf eine Reitanlage. Abseits der Stadt und mit Blick auf die Pferdekoppel. Morgen nehme ich einen Pausentag um mein Bein zu entlasten und mir Salzwedel anzuschauen.

21. Juli 2015

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Tag 35 - Von Brome nach Salzwedel (32 km)

Ich bin gegen 8 Uhr in Brome aufgebrochen und den direkten Weg nach Salzwedel gewandert. Auf den ersten 10 Kilometern ging es mir super gut, danach kamen die Schmerzen im Bein zurück ab 20 km kam mein Einbruch. Ich hatte starke Schmerzen und bin dann die letzten 10 km per Anhalter gefahren.
07.August 2015 Ich bin wieder um 5 Uhr aufgestanden und um 6:30 losgewandert. Das ist bei der Hitze optimal, morgens wacht die Natur auf ( leider auch die Mücken ), die Luft ist frisch und die Temperatur angenehm. Es ist super zu laufen und ich war schon gegen 12 Uhr in der Pension. Endlich habe ich Zeit, mir das Dorf anzusehen und mit den Einheimischen zu sprechen. Die Hetze und Kilometer-Jagd der ersten Wochen hat mir diese Möglichkeiten nicht gegeben, oder besser gesagt, ich habe sie nicht genutzt. Wahnsinn, es ist wie im Leben. Ein Ziel zu haben ist super, sich darin zu verbeißen ist eher schädlich für die Lebensfreude. Und ich habe mich in vielen Jahren meines Lebens verbissen und das wäre auch auf der Wanderung passiert, wenn nicht euer hilfreiches Feedback mich zur Überprüfung meines Wanderziels gebracht hätte. Und ich kann diese Unterstützung endlich annehmen, dafür vielen Dank. Natürlich zahle ich auch für das frühe Aufstehen einen Tribut, um 21 Uhr fällt bei mir der Hammer. Insgesamt ist es aber ein viel leichteres und freudigeres Wandern. Ich höre gerne den Menschen zu, und es gibt so viele Geschichten zu dem Leben an der Grenze. Die Menschen in den Grenzdörfern sind größtenteils sehr offen. Gestern Abend habe ich mit einem Ehepaar im Lokal "Steinkrug" an einem Tisch gesessen und die haben mir von der Zeit der DDR erzählt. Es gab nette, gute Zeiten und natürlich viel Regulierung und Bevormundung. Eine kuriose Geschichte ist, dass der Mann bei der Feuerwehr war und es im Grenzstreifen ein Feuer gab. Bei den Löscharbeiten waren 6 Feuerwehrleute mit der Brandbekämpfung und 19 Soldaten zur Sicherung der Grenzsicherung im Einsatz. Und der Löscheinsatz konnte erst beginnen, wie die Wachmannschaft vollständig vor Ort war. Es war "Gott sei Dank" nur ein Fahrzeugbrand eines Wachfahrzeugs ohne Personenschaden. Viel zu retten war nach der langen Zeit nicht mehr. Oder dass man abends in der Kneipe nach ein paar Bier lieber nicht zu seiner Frau sagte: "Lass uns abhauen". Denunzianten bekamen 100 Ostmark und davon gab es anscheinend viele. Und die Dörfer, die ich jetzt sehe und wahrnehme, haben alle eine spannende Geschichte zu erzählen. Leider ziehen die jungen Leute aber weg, sodass die Dörfer ums Überleben kämpfen. Und Weferlingen hat viele alte Fachwerkhäuser und historische Gebäude. Die nette Dame vom Heimatverein hat mir in ihrer freien Zeit die Burg gezeigt. Der Ort war im 19. Jahrhundert sehr begehrt, da es hier schon ein Gymnasium gab. Die Wanderung macht mir immer mehr Freude, ich entdecke einige Muster in mir. Wenn jetzt noch meine Schmerzen im Bein abklingen wäre es super. Von der Wanderung selber gibt es gar nicht so viel Neues zu berichten. Die Plattenwege sehen überall gleich aus und mir ging es auf der Wanderung gut. Ich bin jetzt im nördlichen Tiefland angekommen, sodass die Höhenunterschiede keine große Rolle mehr spielen. Es ist für mich ein riesiger Gewinn, bewusster und aufmerksamer die Reise wahrzunehmen. Ich freue mich auf morgen. Euer Grenzpate

24. Juli 2015

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Tag 32 - Von Helmstedt nach Weferlingen (21 km)

Ich bin wieder um 5 Uhr aufgestanden und um 6:30 losgewandert. Das ist bei der Hitze optimal, morgens wacht die Natur auf ( leider auch die Mücken ), die Luft ist frisch und die Temperatur angenehm. Es ist super zu laufen und ich war schon gegen 12 Uhr in der Pension.
24.August 2015 Heute bin ich noch einmal eine längere Tour zum Abschied gegangen. Der Weg vom Ratzeburger See bis nach Dassow war sehr schön, nur das letzte Stück ist nicht als Wanderweg ausgebaut, sodass ich hier nach Empfehlung des Tourenbuches mit dem Bus gefahren bin. Ich bin heute in einer sehr ambivalenten Stimmung, von großer Freude auf den Zieleinlauf bis zur Traurigkeit vom Ende des Abenteuers. Und man kann nichts festhalten, alles hat eine bestimmte Zeit und die gilt es bewusst zu erleben. Somit ist alles gut, ich habe gerade die letzten Tage sehr bewusst erlebt. Ich habe heute viel über Zeit und Leben nachgedacht. Noch 4 Monate, und es ist schon wieder Weihnachten und ein weiteres Jahr geht zu ende. Es ist ein Wahnsinn, wie schnell die Zeit und das Leben vergehen. In der letzten Zeit habe ich oft daran gedacht, was ich denn noch alles machen möchte (muss), bevor meine Zeit des Abschieds gekommen ist. Da sind so viel Ideen und Vorstellungen, dass ich gleich Stress bekomme, diese noch unterzubekommen. Ich fühle, dass dies auch nicht der richtige Ansatz sein kann. Ich möchte die paar Dinge leben, die mir wirklich im Herzen wichtig sind. Das war diese Wanderung, die mir viele Erfahrungen gebracht hat und wodurch ich mich selbst besser kennengelernt habe. Ich möchte die Beziehungen zu den Menschen, die mir sehr nahestehen, bewusst und intensiv leben. Ich möchte meine Arbeit als meine Berufung erleben. Und ich möchte offen für neue Erfahrungen und Begegnungen sein. Ich habe das große Glück, dass ich die Möglichkeiten zur Umsetzung meiner Träume habe. Ich bin gesund, ich habe eine tolle Frau und Gefährtin, habe eine selbstständige und attraktive Tochter, eine liebe Familie, tolle Freunde, genügend Geld und ein erfüllendes berufliches Umfeld. Diese Voraussetzungen haben nicht viele Menschen. dessen bis ich mir bewusst. Und für diese Möglichkeiten bin ich dem Leben sehr dankbar. Und es ist meine Aufgabe, die Waage in Balance zu halten und etwas zurückzugeben. Diese Reise hat mich wieder sehr geerdet, ich habe erlebt, wie die elementaren Bedürfnisse des Lebens aussehen. Es ist für mich wichtig, diese Erfahrungen im Bewusstsein zu halten um die Wertschätzung meines Lebens zu behalten. Ich liebe materiellen Wohlstand, er ist aber kein Garant für ein erfülltes Leben. Nur mit der notwendigen Demut und Dankbarkeit für die gegebenen Umstände sowie der positiven Ausrichtung für die neuen Erfahrungen kann eine gesunde Fülle ins Leben kommen. Dazu gehört auch eine gesunde Selbstliebe, die positive Beziehungen zu meinen Mitmenschen, soweit die Ausrichtung auf die eigene Herzensangelegenheit. Das waren die Gedanken und Erkenntnisse, die ich an dem heutigen Wandertag hatte. Ich fühle mich energetisch sehr gestärkt, auch wenn ich körperlich und mental müde bin. Ich bin ab morgen wieder daheim. Falls ihr Fragen, Ideen, Anregungen, Kritik oder sonstiges Feedback habt, freue ich mich über eure Nachricht. Euer Grenzpate

7. Juli 2015

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Tag 49 - Von Groß Sarau nach Dassow (29 km)

Heute bin ich noch einmal eine längere Tour zum Abschied gegangen. Der Weg vom Ratzeburger See bis nach Dassow war sehr schön, nur das letzte Stück ist nicht als Wanderweg ausgebaut, sodass ich hier nach Empfehlung des Tourenbuches mit dem Bus gefahren bin.
21.August 2015 Wow, ich habe gestern meine 1000 km überschritten, was für eine persönliche Grenzüberschreitung. Ich bin total stolz und zufrieden, an einigen Tagen habe ich nicht damit gerechnet, dass ich das schaffe. Apropos Stolz, dieses Gefühl habe ich mir lange im Leben verwehrt. Stolz war und ist eine Tugend, die bei mir, meiner Familie und unserer Nation sehr negativ besetzt ist. Ich selber neige auch dazu, meine eigene Leistung zu relativieren und kleiner zu machen. Aber diesmal lasse ich das Gefühl zu, ich bin stolz auf meine Leistung. 1000 km durch Deutschland gewandert, davon 4 Wochen ohne Geld, die meiste Zeit allein, oft bei Wind und Wetter irgendwo wild im Zelt. Das ist für mich eine echte Grenzüberwindung und darauf bin ich stolz. Und Stolz sollte nicht mit Arroganz verwechselt werden, ich genieße das neue Gefühl von Stolz. Es lässt mich meine eigene Wertschätzung spüren. Früher, ohne eigenen Stolz, brauchte ich diese Wertschätzung von anderen, um sie dann pflichtbewusst und meinem Muster entsprechend wieder klein zu machen, " Naja, so schwer war es auch nicht, ich hatte auch viel Glück, usw." Ich glaube, dass man sich nur selbst lieben kann, wenn man eine gute Portion Stolz besitzt. Nun aber zum Wandertag. Ich bin mit Thomas diese kurze Strecke durch sehr schönes Wandergebiet gelaufen. Es war ein toller und genussreicher Tag. Ich bin froh und dankbar, einige gute Freunde zu haben, die mich nehmen wie ich bin, mir an der passenden Stelle "wohlwollend in den Hintern treten", mich in Krisen unterstützen, mein Potential fördern und mich als Freund wertschätzen. Als Mann ist diese Männerfreundschaft ein sehr wichtiger Ausgleich zu der Liebesbeziehung zu meiner Frau. Und durch die gemeinsame Zeit mit Kai und Thomas habe ich viel Männerenergie bekommen. Vielen Dank dafür. Thomas und ich sind am späten Nachmittag am Campingplatz in Salem angekommen. Der Zeltplatzbesitzer war von der Wanderung sehr angetan und hat uns zum Zelten eingeladen. Ein total offener und netter Mensch. Da das Wetter toll und zudem Freitag war, gab es viele Gruppen, die Party machten. So auch auf der Zeltwiese. Also war die Nacht etwas unruhig, ich bin solche Zivilisationsgeräusche gar nicht mehr gewohnt. Aber alles okay. Thomas ist um 8 Uhr am Samstagmorgen wieder gefahren und Ich bin jetzt für die letzten 4 Tage allein. Eine gute Gelegenheit um die vergangenen 7 Wochen nochmals Revue passieren zu lassen. Heute geht es weiter nach Ratzeburg. Da das Wetter so gut ist, konnte ich keine Unterkunft mehr reservieren, alles ausgebucht. Also laufe ich los und lasse mich überraschen.

10. Juli 2015

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Tag 46 - Von Groß Zecher nach Salem (17 km)

Wow, ich habe gestern meine 1000 km überschritten, was für eine persönliche Grenzüberschreitung. Ich bin total stolz und zufrieden, an einigen Tagen habe ich nicht damit gerechnet, dass ich das schaffe.
18.August 2015 Jetzt beginnt die letzte Woche meiner langen, intensiven Reise. Nächsten Dienstag ist nach genau 7 Wochen der Zieleinlauf geplant. Am 07.07. habe ich mich am Dreiländereck von meiner Liebsten verabschiedet und bin in das Abenteuer gestartet. Nächsten Dienstag wird sie hoffentlich am Priwall bei Travemünde stehen, wir haben uns dort verabredet :-) Ich bin sehr optimistisch, dass sie da sein wird und freue mich sehr auf meine Frau. Es geht dann eine Reise zu Ende, die ich wahrscheinlich erst nach einiger Zeit richtig integriert habe. Jedenfalls hatte ich zu Anfang der Reise nur den Wunsch, die Kilometer schnell hinter mich zu bringen und möglichst schnell heim zu kommen. Jetzt zum Ende der Reise genieße ich jeden Kilometer und freue mich über jeden Tag. Die Reise ist so wechselhaft wie das Leben. Zu Anfang wollte ich schnell älter werden, heute würde ich die Zeit oft gerne anhalten. Und jede Etappe der Tour und meines Lebens war wertvoll und genau richtig. Und an dieser Stelle nochmals vielen Dank für eure Unterstützung mit Likes, Kommentaren oder Mails per Kontaktformular auf grenzpate.de. Das hat mich durch viele schwierige und einsame Momente getragen und mich motiviert. Donnerstag und Freitag wird mich Thomas, mein guter Freund, für 2 Tage begleiten. Ich freue mich schon auf die gemeinsame Zeit. Heute bin ich auch wieder voller Genuss durch starken Regen gewandert, durch Gebüsch und viele kleine Steigungen. Es ist ein tolles Gefühl, alle Elemente unseres Wetters zu erleben (Sonne, Regen, Wind, Gewitter). Die Schamanen verehren alle Elemente und heißen sie willkommen. Und der Regen ist bis richtiger Kleidung ein tolles Erlebnis, was ich aber auch nicht immer schätzen kann. An der Elbeseite stehen hier noch die Zaunpfähle der letzten Sicherung. Ich bin dann völlig durchnässt in der Pension in Lauenburg angekommen und sitze jetzt im Café mit einem Cappuccino. Ich bemerke, dass ich langsam einen Geruch annehme, der in Berghütten oft anzutreffen ist. Und bei der Nässe trocknet die Wäsche nicht und so viel Wechselweise ist nicht im Rucksack. Hoffentlich finde ich morgen eine Unterkunft mit Waschmaschine und Trockner...Bei der Nässe wird auch im Rucksack alles klamm. Aber noch komme ich in die Restaurants und Cafés herein :-) Morgen habe ich wieder eine längere Etappe vor mir, ich wandere nach Langenheste, wo ich abends Thomas treffe.

13. Juli 2015

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Tag 43 - Von Boizenburg nach Lauenburg (18 km)

Jetzt beginnt die letzte Woche meiner langen, intensiven Reise. Nächsten Dienstag ist nach genau 7 Wochen der Zieleinlauf geplant. Am 07.07. habe ich mich am Dreiländereck von meiner Liebsten verabschiedet und bin in das Abenteuer gestartet.
15.August 2015 Heute bin ich die Wanderstrecke gelaufen, ungefähr 10 km weiter, mit einigen Steigungen aber wunderschön.Es hat in der Nacht heftig geregnet, daher waren viele Wege stark unterspült. Der Regen hat mich auch den ganzen Tag begleitet. Ich bin die ganz Strecke schmerzfrei gelaufen, zum ersten Mal seit einigen Tagen. So bin ich abends müde und glücklich in der schönen Pension "Elvers" angekommen, wo ich von den Gastgebern sehr freundlich und herzlich aufgenommen wurde. Frau Elvers hat noch meine durchnässte Kleidung in den Trockner geworfen, sonst hätte ich am nächsten Tag wieder in nassen Sachen weitergehen müssen. Unterwegs bin ich in Tissau an einem tollen Café mit einem sehr beeindruckenden Besitzer vorbeigekommen. Eigentlich hat er nur sonntags geöffnet, heute war eine Ausnahme. Es ist das Café "Maison de la Marionette", für mich ein absolutes Muss auf der Strecke. Hier war noch eine Bibelgruppe zu Gast und so hat der Besitzer, Herr Dr. Manfred Fortmann, einige seiner vielen Puppen vorgeführt. Er ist ein begnadeter Puppenspieler, Schauspieler, Naturliebhaber und außergewöhnlicher Mensch. In seinem Leben geht es ums Puppenspielen und Naturerleben. Hier komme ich bestimmt nochmal zurück, der Mann hat mich nachhaltig beeindruckt. Er macht in seinem das, was er vom Herzen gerne tut. Er kann durch sein Puppenspiel sein Herz und seine Phantasien ausdrücken, wir versuchen dies oft zu unterdrücken. Er lebt dadurch das "Kind im Menschen", wo wir uns vielleicht schämen.Das ist auch mein Weg, meine kindlichen Impulse nicht zu unterdrücken sondern ihnen neben der erwachsenen Komponente ausreichend Raum zu geben. Wenn ich jetzt eine Idee von meiner zukünftigen Ausrichtung bekomme, ist es die ehrliche und authentische Annahme beider Komponenten, die des erwachsenen kraftvollen Mannes und die des neugierigen Kindes. In meinem früheren Leben habe ich oft einen Teil unterdrückt und nicht angenommen.Dadurch bin ich entweder ein unreifer oder ein verhärteter Mann gewesen.

16. Juli 2015

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Tag 40 - Von Hitzacker nach Neu Darchau (24 km)

Heute bin ich die Wanderstrecke gelaufen, ungefähr 10 km weiter, mit einigen Steigungen aber wunderschön.Es hat in der Nacht heftig geregnet, daher waren viele Wege stark unterspült.
12..August 2015 Heute bin ich über das Naturschutzgebiet nach Lüchow gewandert, was ein schöner Umweg war, der sich gelohnt hat. Die Pause hat mir richtig gut getan, trotzdem merke ich die körperliche Belastung der letzten 5 Wochen deutlich, ähnlich wie der typische Einbruch beim Marathon ab 30 km. Ich könnte jetzt auch gut morgens im Bett bleiben und die Wanderschuhe einmotten. Aber es geht natürlich weiter, ich kann die Ostsee schon fast riechen. In Salzwedel gab es ein Schild " Lübeck 117 km", natürlich Luftlinie. Der Grenzverkehr ist mehr als doppelt so weit. Auf meiner Wanderschaft hatte ich ein seltsames Phänomen. Ich bin gewandert und hatte gleichzeitig das Gefühl, ich schaue mir selber beim Wandern zu. Kennt ihr das Gefühl, ich kenne es nur aus Trance...Ich habe an nichts gedacht und nichts gefühlt, habe mich einfach selber beim Wandern beobachtet. Und das ohne Drogen oder Alkohol. Das war ein tolles Erlebnis und Gefühl. Wie es mir bewusst wurde, war es weg und kam auch nicht zurück. Überhaupt war der Wandertag sehr schön und fast schmerzfrei. Ihr bin gegen 15:30 in Lüchow angekommen und in die Pension "Wendeschänke" gegangen, die von 2 Schwestern betrieben wird. Es ist wirklich toll, was mit finanziell geringem Aufwand gemacht werden kann, wenn Leidenschaft und Herzblut drinsteckt. Hier merkt man das auch wieder. In der Pension haben auch 3 Männer übernachtet, die in Lüchow einen Auftrag zur Gebäudereinigung hatten. Ich habe mich mit den Männern unterhalten und habe kurz ihre Lebensgeschichte gehört, die mich unglaublich berührt. Ein Mann (45 Jahre) erzählte mir, dass er als Kind regelmäßig von seinem Vater schwer geschlagen wurde. Für jede Kleinigkeit und in der damaligen Zeit hat das Umfeld noch weggeschaut. Er sei halt ein "schwer erzielbaren Kind" sagte der Vater auf Nachfrage zu den Wunden. Damit war die Sache erledigt, da ist unsere Courage heute zum Glück besser. Es waren 4 Geschwister und nur er wurde misshandelt, die Mutter schwieg. Nach einer weiteren schweren Misshandlung ist er von daheim abgehauen und hat auf der Straße gelebt. Er hat bei Punks und unter Brücken gelebt, ist tagsüber in die Schule gegangen und nebenbei gejobbt. Natürlich wurde er zwischendurch immer wieder aufgegriffen und nach Hause gebracht, wo er aber wieder weglief. Er hat dann fast alle Erfahrungen durch, bis zu Drogen und Selbstmordversuch. Und er ist heute clean, hat einen Job, lebt in Partnerschaft und ist ein toller Mensch. Wahrscheinlich hätte ich mich sonst nie mit ihm unterhalten, es gibt keine Berührungspunkte. Und ich hätte meine unbewusste Wertung und Schublade gehabt. So bin ich froh, mit ihm gesprochen und 2 Bier getrunken zu haben. Seine Geschichte rührt mich sehr und zeigt mir, wie viel Glück ich mit meinem Entwicklungsumfeld hatte, und es war auch nicht perfekt. Aber was ist schon perfekt? Jedenfalls finde ich es phänomenal, wie sich Persönlichkeit trotz widriger Umstände entwickeln können. Natürlich ist es schwieriger, aber es ist möglich, wenn man es wirklich will. Und das gilt jeden Tag. Schau nicht wer du warst, schau wer du sein möchtest und gehe los. Hole und nimm dabei jede Unterstützung, die du bekommen kannst. Das scheint der Schlüssel zum persönlichen Glück zu sein. Ich habe großen Respekt vor Menschen, die ihr Leben selber anpacken statt auf andere zu warten oder die Umstände verantwortlich zu machen. Und es mag echt ungerecht sein, dass die Umstände und Gegebenheiten bei den Menschen höchst unterschiedlich sind und das gleiche Ziel mit unterschiedlichem Einsatz und Energie erreicht wird. Aber so ist das Leben, vielleicht ist es im nächsten Leben anders. Abends war ich noch kurz im Stones-Museum, welches in Lüchow ist. Der Betreiber ist ein Vollblut-Fan und Idealist und hat es gegründet. Und das als ehemaliger Banker :-) Auch hier merkt man das Herzblut, mit dem er dieses Museum betreibt. Sein Spruch an der Außenwand hat mich gleich angesprochen (siehe Foto). Morgen geht es weiter nach Dannenberg.

19. Juli 2015

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Min. Lesezeit

Tag 37 - Von Salzwedel nach Lüchow (22 km)

Heute bin ich über das Naturschutzgebiet nach Lüchow gewandert, was ein schöner Umweg war, der sich gelohnt hat. Die Pause hat mir richtig gut getan, trotzdem merke ich die körperliche Belastung der letzten 5 Wochen deutlich, ähnlich wie der typische Einbruch beim Marathon ab 30 km.
09.August 2015 Ich bin relativ spät in Oebisfelde gestartet, da ich in der Pension Peters etwas verschlafen habe. So kam in erst um 7:30 Uhr los. Der Weg nach Brome war landschaftlich sehr interessant, da ich durch das Naturschutzgebiet des Drömlings gewandert bin. Das ist eine Moor- und Feuchtlandschaft. Am Vormittag waren die Temperaturen noch erträglich, ab Mittag hatte ich über 30 Grad in einem Grassgebiet ohne Schatten. Dazu kamen noch die Schmerzen im Bein, die sich nach ca. 10 km wieder bemerkbar machten. Das zerrt extrem an meiner Moral und ich habe öfter geflucht. Die schöne Vorstellung von dem Bett und der Dusche in der Pension trieb mich aber immer weiter. Leider gibt es auch auf dieser Strecke keine Einkehrmőglichkeit obwohl viele Radfahrer unterwegs waren. Seltsam, das müsste doch ein Geschäft sein... Auf dem Weg kurz vor Brome habe ich einen Bauernhof gesehen, der ein Heimat- und Grenzmuseum beinhaltete. Der Besitzer war auch dort und erzählte mir seine Geschichte bei einer Tasse Kaffee. Ihm und seinen Eltern gehörte der Hof, der dann aber nach der Teilung von der DDR enteignet wurde. Dies geschah unter dem Motto "Aktion Ungeziefer", wo unbequeme oder verdächtige Grenzbewohner enteignet und umgesiedelt wurden. Die Familie flüchtete danach durch die noch durchlässige Grenze in den Westen. Nach der Wiedervereinigung erhielt er den Hof zurück und hat den Großteil eines Hofes zum Museum mit Freilandmuseum gemacht um an die Geschichte zu erinnern. Übernachtet habe ich in der Pension Jürgens in Brome, einer schönen und angenehmen Pension mit netten Gastgebern. Überhaupt hatte ich bisher immer tolle und hilfsbereite Gastgeber auf meiner Tour. In der Pension habe ich noch ein Ehepaar kennengelernt, die das grüne Band mit dem Rad fahren. Und das im Alter von fast 70 Jahren, Respekt. Ansonsten gibt es zu diesem Tag nicht viel zu berichten, ich war am Abend kaputt und nicht besonders motiviert. Da mein Bein ziemlich geschwollen ist und schmerzt, werde ich den Reiseplan ändern und übermorgen einen weiteren Ruhetag einlegen. Heute ist wieder ein Tag um den eigenen Willen und Durchhaltevermögen zu testen. Wahrscheinlich aber auch um mich zu sensibilisieren, auf die Signale des Körpers und der Umwelt zu hören. Und diese Signale ignoriere ich leider oftmals gerne. Daher plane ich morgen direkt nach Salzwedel zu gehen und dort am Dienstag einen Ruhetag einlegen. Mal sehen, ob ich morgen die 32 km Laufen kann. Es macht sich jetzt auch neben den körperlichen Symptomen auch eine mentale Müdigkeit bemerkbar. Seltsam, die Tage in der Natur mit viel Bewegung und an der frischen Luft ermüden auch mental. Aber nicht wie lange Büroarbeit mit Kopfschmerzen und "Abgeschlafftheit" sondern eine angenehme und schöne Müdigkeit. Ich bin abends platt aber glücklich und zufrieden. Zum Schluss habe ich noch eine gute Nachricht für alle "Spender". Wie es aussieht, werde ich bei ca. 1100 km herauskommen, die Grenze war insgesamt 1400 km lang, diese ist aber nicht mehr begehbar. Das ausgewiesene grüne Band ist ca. 1250 km lang, ich habe aber einige Schleifen abgekürzt. Somit spart ihr etwas ein :-)

22. Juli 2015

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Tag 34 - Von Oebisfelde nach Brome (25 km)

Ich bin relativ spät in Oebisfelde gestartet, da ich in der Pension Peters etwas verschlafen habe. So kam in erst um 7:30 Uhr los. Der Weg nach Brome war landschaftlich sehr interessant, da ich durch das Naturschutzgebiet des Drömlings gewandert bin. Das ist eine Moor- und Feuchtlandschaft.
06.August 2015 Ich bin um 6:30 in Hohnsleben aufgebrochen, nachdem ich die Nacht im Zelt schlecht geschlafen habe. Mich hat ein Blutsauger in den linken Unterschenkel gestoßen, und jetzt ist das linke Schienbein angeschwollen und schmerzt. Die Wanderung war ohne große Ereignisse oder Erkenntnisse. Außer dem schmerzenden Bein. Zum Glück sind die nächsten Etappen nicht so lang, sodass ich gut bis Helmstedt wandern konnte. Dort bin ich gegen 13:30 Uhr angekommen. Mich beschädigt noch immer die Sperranlage in Hohnsleben und die damit verbundenen Schicksale und Tragödien. Und dann treffe ich in Helmstedt einen Mann, der in Hohnsleben aufgewachsen ist. Er erzählte mir eine andere Sichtweise, die ich gar nicht auf dem Radar hatte. Er schilderte mir das Leben dort, den Zusammenhalt im Dorf, die Feiern und dass sie nichts vermisst haben, da sie es nicht anders kannten. Er sagte mir, dass die Sperranlagen für die Menschen normal waren und es ab 1980 immer lockerer im Dorf wurde. Anfangs gab es noch Sperrzeiten, die immer mehr gelockert wurden. Der Mann war kein "ewig gestriger", er ist glücklich mit der Wiedervereinigung, er sagte mir aber, dass die Zeit in der DDR und in den Grenzgebieten oft zu einseitig beschrieben werden. Ich denke, das ist mein Thema. Aus den alten Glaubenssätzen herauskommen und die Dinge von mehreren Seiten betrachten. Das fällt mir nicht leicht, ich habe doch so gerne Recht. In Helmstedt habe ich in der Pension Ulrike Schulz übernachtet. Eine herzliche Frau, die mit ihrem Mann diese günstige und empfehlenswerte Pension neben ihrer Arbeit als Fußpflegerin betreibt. Es ist unglaublich interessant, in kleinen privaten Unterkünften zu übernachten und die Menschen kennenzulernen. Ulrike ist so ein Mensch, der das Herz am richtigen Fleck hat. Nachmittags habe ich es mir gut gehen lassen und Cappuccino in der Fußgängerzone grünen. Dabei habe ich Corina, die Freundin von Ulrike kennengelernt. Am Abend hatte ich dann noch eine Massage bei Mediwell in Helmstedt. Irgendwie trifft man immer auf die Menschen, die dir eine neue Erfahrung bringen. Mit dem Masseur war es so. Wir sind auf einer Wellenlänge und zu der Massage hatte ich noch ein tolles Gespräch. Die Schmerzen am Bein werden schlimmer, es sieht nach einer Entzündung aus. Ich hoffe, dass es morgen besser wird.

25. Juli 2015

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Tag 31 - Von Hohnsleben nach Helmstedt (20 km)

Ich bin um 6:30 in Hohnsleben aufgebrochen, nachdem ich die Nacht im Zelt schlecht geschlafen habe. Mich hat ein Blutsauger in den linken Unterschenkel gestoßen, und jetzt ist das linke Schienbein angeschwollen und schmerzt. Die Wanderung war ohne große Ereignisse oder Erkenntnisse. Außer dem schmerzenden Bein.
23.August 2015 Ich bin heute körperlich erledigt und müde, Zeit für eine Erholung. Ich hatte vor, heute bis Lübeck zu wandern, aber es geht nicht. Da die Anspannung nachlässt, kommt jetzt die Erschöpfung hoch. Also mache ich eine kleinere Tour und suche mir ein Bett zum übernachten. Im Internet habe ich eine Pension auf der anderen Seite des Ratzeburger Sees gefunden, die mir gut gefällt. Ein 300 Jahre altes Wirtshaus in Gross Sarau hat mich angezogen. Das Gebiet um den Ratzeburger See ist sehr schön zu wandern. Vielen Dank für eure vielen Nachrichten in den letzten Tagen. Viele von euch freuen sich, dass ich es bald geschafft habe. Ich habe bis heute auch so gedacht aber jetzt frage ich mich: " Ist es gut, dass ich es am Dienstag geschafft habe? ". Oder ist es Wehmut, dass diese Erfahrung gemacht wurde? Ich bin da etwas zwiegespalten. Auf der einen Seite freue ich mich, meine Frau wiederzusehen und die Beziehung zu leben. Ich freue mich, den Rucksack abzulegen, im eigenen Bett zu schlafen, meine Tochter und Freunde wiederzusehen, lecker zu essen, auf der Couch zu liegen und wieder zu arbeiten. Also, mein schönes, geregeltes Leben zu haben, in meiner Komfortzone. Auf der anderen Seite werde ich die Herausforderungen vermissen, den Verlust von Zeitgefühl, die zufälligen Begegnungen, die intensiven Gefühle, die Wachheit an der eigenen Grenze. Es ist Wahnsinn, wie intensiv ich in vielen Situationen mein Leben wahrgenommen habe. Wie ich bei extremer Angst und Einsamkeit meine Anker der Beziehungen genutzt habe. Damit meine ich die emotionale Bindung und Beziehung, die auch über große Entfernungen wirkt, wie dies bei meiner Liebe zu meiner Frau ist. Wie ich tief berührt war, wie mir fremde Menschen mit Lebensmitteln und anderem geholfen habe. Diese beiden Seiten sind in mir, die Freude über den Zieleinlauf und die Trauer, dass der Weg vorbei ist. Und ich empfinde eine tiefe Dankbarkeit und Demut vor dem Glück, in diesem Land, zu dieser friedlichen Zeit unter diesen Bedingungen zu leben. Und ich habe Eltern und Geschwister, die mir diesen Weg ermöglicht haben. Es gibt so viel, wofür ich dankbar bin, es ist mir auf der Reise bewusst geworden. Und trotzdem war und bin ich oft unzufrieden, weil ich etwas nicht habe. Es ist für mich sehr hilfreich, mehr die " Habenseite" zu würdigen als sich über den Mangel zu grämen. Und ich habe weiterhin Ziele. Morgen ist mein letzter Tag, bevor ich am Dienstag am Ziel ankomme.

8. Juli 2015

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Tag 48 - Von Römnitz nach Groß Sarau (12 km)

Ich bin heute körperlich erledigt und müde, Zeit für eine Erholung. Ich hatte vor, heute bis Lübeck zu wandern, aber es geht nicht. Da die Anspannung nachlässt, kommt jetzt die Erschöpfung hoch.
20.August 2015 Heute bin ich zusammen mit Thomas diese weite Strecke zum Schaalsee gegangen. Wir sind im zähen Hochnebel gestartet und im strahlenden Sonnenschein angekommen. Im Morgentau konnten wir die unzähligen Spinnennetze in der Natur sehen, eine unglaubliche Schönheit, die sonst nicht sehe. Die Strecke selbst war nicht besonders attraktiv, wir sind viel Landstraße gelaufen. Dafür hatten wir tolle Gespräche über das Leben der Natur und die unterschiedlichen Wege des Glücklichseins geführt. Und es gibt keinen Königsweg, jeder hat seinen eigenen. Weg. Ich jedenfalls sehr erfüllt und glücklich mit meinem Leben und Weg. Es ist ein Luxus, diese Zeit für dieses Abenteuer zu nehmen und eine Partnerin an meiner Seite zu haben, die das unterstützt. Wir sind jetzt 6,5 Jahre zusammen und 2,5 Jahre verheiratet. Natürlich erleben wir auch alle Facetten der Partnerschaft. Ich bin gespannt, wie wir uns nach den 7 Wochen wieder begegnen. Ist es wie vorher, haben wir uns geändert, wie wirkt diese Wanderung in unserer Beziehung? Denn auch Christine hat sich in dieser Zeit weiterentwickelt. Thomas und ich sind gegen 17 Uhr am Zeltplatz angekommen, der direkt am See liegt. Wir haben uns abends eine Tütensuppe gekocht, da es auch auf vielen Campingplätzen mittlerweile keine Gastronomie oder Kiosk mehr gibt. Die mehrheitlichen Dauercamper bringen halt alles mit. Die Nacht war unruhig, da eine Familie meinte, den kompletten Platz mit ihren Familiengeschichten zu unterhalten. Irgendwie scheint die Grenze für rücksichtsvolles Verhalten bei einigen Menschen ziemlich abgesunken zu sein. Das fällt mir auch stark auf, wenn ich in der Natur sehe, wievielt Müll dort entsorgt wird. Auf der anderen Seite war ich auch zu faul aufzustehen und den Mann auf die Nachtruhe hinzuweisen. Aber ich bin dann doch eingeschlafen und heute Morgen um 6 Uhr aufgewacht. Die Nacht war kühl und durch den Morgentau im Zelt ziemlich feucht. Wir waren dann im See schwimmen und sind gegen 10 Uhr aufgebrochen. Ein neuer, wunderbarer Tag wartet auf mich, ich genieße das Leben. Es freut mich sehr, dass Thomas mich für 2 Tage begleitet und wir eine tolle Zeit haben. Euer Grenzpate

11. Juli 2015

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Tag 45 - Von Langenlesten nach Groß Zecher (34 km)

Heute bin ich zusammen mit Thomas diese weite Strecke zum Schaalsee gegangen. Wir sind im zähen Hochnebel gestartet und im strahlenden Sonnenschein angekommen. Im Morgentau konnten wir die unzähligen Spinnennetze in der Natur sehen, eine unglaubliche Schönheit, die sonst nicht sehe.
17.August 2015 Ich bin heute Morgen gegen 9 Uhr von der Herberge aufgebrochen. Die Betreiberin des Cafés und Herberge hat mir noch etwas von ihrem Leben erzählt. Sie wohnt schon zur Grenzzeit in dem Ort und hat miterlebt, wie Nachbarn über Nacht umgesiedelt wurden. Ohne einen bestimmten Grund, nur nach willkürlichem Verdacht. Die Elbe haben die Bewohner nie gesehen, es war Sperrgebiet. Besonders berührt hat mich aber das Schicksal ihrer Tochter, die durch eine Hirnhautentzündung mit 3 Jahren so geschädigt wurde, dass sie körperlich stark eingeschränkt ist. Sie konnte mit Unterstützung der Familie trotzdem den Realschulabschluss machen. Heute ist sie leider noch zusätzlich psychisch erkrankt, hört laute Stimmen und eine Schizophrenie wurde diagnostiziert. Und die Mutter, die das Café betreibt, ist trotzdem eine herzliche, offene und sehr positive Frau. Wahnsinn, wie sie das alles meistert und trotzdem Lebensfreude hat. Sie erzählte mir, dass sie mit 4 Generationen im Haus leben, ihre Schwiegereltern, sie mit ihrem Mann, beide Töchter sowie der Ehemann und Nachwuchs der jüngeren Tochter. Und sie leben harmonisch zusammen. Sie erzählte mir auch von den vielen Klinik-Aufenthalten, der Wechsel zwischen Hoffnung und Verzweiflung sowie die Annahme der Situation wie sie ist. Als ich diese Geschichte gehört habe, wurde mir bewusst, wie dankbar und demütig ich sein kann, dass es mir und meiner Familie gesundheitlich gut geht. Es ist für mich selbstverständlich, dass ich morgens aufstehe, mich im Spiegel erkenne, laufen und arbeiten kann. Und das ist nicht selbstverständlich, wenn wir uns das Schicksal von Michael Schumacher anschauen, kann sich das schnell ändern und nichts könnte einen davor schützen. Das macht mich heute demütig und zutiefst dankbar, dass es mir so gut geht. Ich versuche, diese Dankbarkeit in meinem Bewusstsein zu halten, alle anderen Probleme sind dagegen völlig banal. Und diese Dankbarkeit und Demut zu fühlen erzeugt ebenfalls ein glückliches Gefühl in mir. Überhaupt hatte ich heute einen tollen Wandertag, trotz schweren Gewitters. Ich hatte oft dieses Gefühl, dass ich zutiefst glücklich und vollkommen bin. Der Kopf war völlig leer und ich konnte jeden Schritt und Atemzug in dieser schönen Natur am Deich genießen. Wahnsinn welches Leben sich hinter den Sorgen, Problemen, Gedanken und Ablenkungen verbirgt. Auf dem weiteren Weg habe ich noch einen Techniker vom Hochwasserschutz getroffen. Er hat mir von den Hochwasser-Katastrohen erzählt und wie knapp diese Region um eine Katastrophe herumgekommen ist. Das Wasser stand 20 cm unter der Deichkrone. Und letztendlich wurde die Katastrophe in dieser Region dadurch verhindert, dass woanders der Deich gebrochen ist und die neue Flutwelle dadurch abgeschwächt war. Des einen Leid war des anderen Rettung. Er erzählte mir auch, dass er lange bei den Grenztruppen war und deshalb auch beschimpft wird. Er möchte diesen Abschnitt seines Lebens aber nicht verheimlichen oder sich dafür schämen. Aus heutiger Sicht würde er es nicht mehr tun, er ist aber als Jugendlicher mit dem System und den Glaubenssätzen groß geworden. Gott sei Dank gab es bei ihm keine Grenzvorfälle, sodass er sich in der Hinsicht nichts verwerfen muss. Ich denke, dass es immer schwer ist ein Verhalten zu beurteilen wenn der Kontext und das System der Handlung nicht nachvollziehbar sind. Ich bin da oft schnell in einer Beurteilung oder Bewertung und sehe evtl. nur das aktuelle Verhalten. Und das geschieht schon im alltäglichen Leben. Dieses Treffen mit dem ehemaligen Grenzer macht mir das heute wieder bewusst. Heute Abend schlafe ich in einer schönen Pension und koche mir in der kleinen Küche eine leckere Tütensuppe...

14. Juli 2015

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Tag 42 - Von Windischthun nach Boizenburg (16 km)

Ich bin heute Morgen gegen 9 Uhr von der Herberge aufgebrochen. Die Betreiberin des Cafés und Herberge hat mir noch etwas von ihrem Leben erzählt. Sie wohnt schon zur Grenzzeit in dem Ort und hat miterlebt, wie Nachbarn über Nacht umgesiedelt wurden. Ohne einen bestimmten Grund, nur nach willkürlichem Verdacht.
14.August 2015 Ich habe mich in der Nacht im Zelt etwas erkältet, da ich mich nicht entscheiden konnte, Schlafsack auf oder zu? Es wechselte zwischen schwitzen und frieren. Ansonsten war der Zeltplatz in Danneberg echt toll und sehr ruhig. Ich bin gegen 9 Uhr aufgebrochen und über das Strachauer Rad nach Hitzacker gewandert, entlang der Elbe. Der Elbweg ist sehr schön zu wandern und auch sehr belebt. Die Elbe hat zurzeit kaum Wasser, an einigen Stellen nur 30 cm tief. Daher fahren die meisten Fähren nicht mehr, sodass die Entscheidung wichtig ist, auf welcher Seite man wandert. Brücken gibt es auch nur in sehr großen Abständen, die Elbe war früher die deutsch-deutsche Grenze. Und Pensionen sind durch nur vereinzelt und am Wochenende oft ausgebucht. Da muss ich schon gut planen. In Hitzacker habe ich in der Pension "Hotel Lüneburger Hof" übernachtet, es war eine angenehme und preisgünstige Pension. Ich habe trotz eines heftigen Gewitters mit starkem Regen gut geschlafen. Vor dem Gewitter war ich noch in der Stadt von Hitzacker und kam genau rechtzeitig zu einer Stadtführung. Der Stadtführer, Herr Ulli Stang, hat eine super engagierte und humorvolle Führung gemacht, man merkt, dass dies sein Herzblut ist. Und die kleine Stadt hat viel zu bieten, der verstorbene Ehemann von Königin Beatrix, Claus wurde hier geboren. Herr Stang ist ebenfalls begeisterter Wanderer, er ist letztes Jahr mit seiner Frau durch die Alpen gewandert. Wie gesagt, dies war ein toller und schöner Wandertag, nichts außergewöhnliches, dafür ein schöner Tag. Ich freue mich auf morgen.

17. Juli 2015

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Tag 39 - Von Dannenberg nach Hitzacker (22 km)

Heute bin ich über einige Umwege nach Dannenberg gewandert. Dabei bin ich hauptsächlich an der Jeetzel gelaufen, meistens auf dem Damm.
11.August 2015 Ich bin gegen 8 Uhr in Brome aufgebrochen und den direkten Weg nach Salzwedel gewandert. Auf den ersten 10 Kilometern ging es mir super gut, danach kamen die Schmerzen im Bein zurück ab 20 km kam mein Einbruch. Ich hatte starke Schmerzen und bin dann die letzten 10 km per Anhalter gefahren. Wow, das ist schon ewig her, dass ich das gemacht habe. Und den Daumen zu heben ist für mich ziemlich schambesetzt. Zuerst habe ich versucht, es irgendwie abzuschwächen und es nur halbseiden gemacht. Ohne Erfolg. Dann habe ich mich entschieden es auch so zu meinen und dazu zu stehen. Also habe ich die Autofahrer angeschaut und den Daumen klarer hochgehalten. Die Reaktionen der Autofahrer sind schon interessant, ich kenne sie auch von mir. Viele schauen interessiert, bremsen kurz ab und entscheiden sich dann wieder anders. Ein Abbremsen und Halten bedeutet auch für die Fahrer eine gewisse Überwindung. Nach kurzer Zeit hat mich ein Transporter ein Stück mitgenommen. Ich habe den Fahrer gefragt, warum er mich mitgenommen habe. Er sagte, entscheidend waren der Augenkontakt und die klare Ausstrahlung. Ich bin noch mit 2 weiteren Fahrern mitgefahren, es ging ziemlich schnell als ich selber dazu stand. Es ist wie im Leben. Wenn du etwas tust, wo du nicht voll dahinterstehst ist die Aussicht auf Erfolg eher gering, denn deine unklare Ausstrahlung verrät dich. Das betrifft Beziehungen und Tätigkeiten. Ich habe es in meinem eigenen Leben erfahren. Heute versuche ich, die Dinge, die ich tue und die Beziehungen, die ich lebe, mit voller Absicht und aus dem Herzen zu leben. Gelingt in nicht immer, aber immer öfter. Und es ist manchmal einfach eine bewusste Entscheidung, diese Einstellung zu bekommen. Solange ich im innerlichen Widerstand und Scham war, konnte ich keinen klar denkenden und fühlenden Mitmenschen dazu bewegen, mich mitzunehmen. Wie soll er mir vertrauen wenn ich mir selber nicht vertraue? Und dann habe ich mich entschieden, das "Trampen" wirklich so zu meinen und dazu zu stehen. Ich denke, das strahlt man aus und das bewirkt etwas in der Umwelt. Ich wurde dann authentisch und ehrlich wahrgenommen. Das war für mich die Erkenntnisperle des Tages. Ich bin dann gut in Salzwedel angekommen und übernachte in einer Pension auf eine Reitanlage. Abseits der Stadt und mit Blick auf die Pferdekoppel. Morgen nehme ich einen Pausentag um mein Bein zu entlasten und mir Salzwedel anzuschauen.

20. Juli 2015

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Tag 36 - Pausentag in Salzwedel

Ich bin gegen 8 Uhr in Brome aufgebrochen und den direkten Weg nach Salzwedel gewandert. Auf den ersten 10 Kilometern ging es mir super gut, danach kamen die Schmerzen im Bein zurück ab 20 km kam mein Einbruch. Ich hatte starke Schmerzen und bin dann die letzten 10 km per Anhalter gefahren.
08.August 2015 Ich bin morgens früh in Weferlingen aufgebrochen und war gegen 13 Uhr im Etappenziel Oebisfelde. Ich habe in der Pension Peters gewohnt, eine sehr günstige, saubere, ruhige und komfortable Unterkunft mit netten Gastgebern. Schon die telefonische Kontaktaufnahme war ein Erlebnis, ich hatte die 89-jahrige Mutter am Telefon. Eine wache, freundliche und kräftige Stimme, sehr sympathisch. Ein Vorbild für mich. Als ich dann später die Tochter kennengelernt habe, die die Pension führt, erlebte ich die gleiche Freundlichkeit und Offenheit. Herrn Peters habe ich am folgenden Morgen kennengelernt, ebenfalls sehr offen und sympathisch. Das Dorf in Oebisfelde ist ebenfalls sehr historisch und interessant. Vor allem der Gegensatz zwischen alten, verfallenden und restaurierten Häusern fällt auf. Schade, dass die alten Grenzdörfer aufgrund der Landflucht oft verfallen. Ich hatte das Glück, dass ich an der Kirche 2 ältere Damen getroffen habe, die die Kirche mit Blumen schmückten. Sie haben mir die Kirche gezeigt und aus ihrem Leben im Dorf erzählt. Sie haben Krieg, Besetzung, Teilung und Wiedervereinigung miterlebt und waren fröhlich und offen. Es ist schon erstaunlich, wie viel Umstellungen und Änderungen ein Mensch erleben und "verkraften" kann ohne zu zerbrechen. Ich bin manchmal schon durcheinander, wenn ich meinen Zug nicht bekomme :-) Die beiden Damen erzählten mir von der Grenzerstellung, den damit verbundenen Änderungen in ihrem Leben. Und sie haben sich immer wieder umgestellt und neu ausgerichtet. Im Edeka-Cafe habe ich einen Kaffee getrunken und eine nette Familie kennengelernt. Die Frau war Jägerin und ihre beiden Söhne ( 4 und 6 Jahre ) waren sehr naturverbunden und offen. Unglaublich, ich habe mich mit den beiden Jungs gut unterhalten, eine echte Hoffnung für unsere Zukunft. Sie haben mir erzählt, welche Tiere in der Region leben und welche sie heute gesehen haben. Die Wanderung nach Oebisfelde war ziemlich unspektakulär, einzig mein schmerzendes Bein macht mir zu schaffen. Das habe ich dann in der Nacht mit einem Quarkwickel behandelt, altes Hausregeln meiner Frau. Und leider gibt es in den Dörfern keine Gaststätten oder Cafés. Ein Einheimischer sagte mir, die haben in den letzten 10 Jahren alle geschlossen. Vorher hatte ziemlich jedes Dorf seine Gaststätte, der zentrale Punkt für das soziale Dorfleben. Jetzt fehlen diese Verbindung und damit auch die enge Bindung der Dorfgemeinschaft. Unterwegs habe ich mich auf einen Stapel Bretter gelegt und eine Pause gemacht. Und es kam nach kurzer Zeit 2 Männer, die mich fragten, ob alles okay ist, ich genug Geld hätte oder ob ich etwas zu essen brauche. Wahnsinn, diese Zivilcourage. Ansonsten ist der Weg unspannend, kaum Plattenwege aber dafür viel Straße. Diese Etappe war damit vom Wandern nicht besonders schön. Dafür hat Oebisfelde mit den schönen Fachwerkhäusern entschädigt. Mir geht es sehr gut, ich genieße die Reise immer mehr. Und je mehr ich von den Menschen mitbekomme, desto höher wird meine Wertschätzung für die Menschen, über die ich früher gelächelt habe. Ich hatte eine festgefahrene Meinung über Dorfgemeinschaften. Sorry dafür. Es ist so interessant, die unterschiedlichen Standpunkte und Lebenserfahrungen zu hören ohne sie zu bewerten. Die Nacht habe ich super geschlafen und bin gegen 8 Uhr nach Brome aufgebrochen.

23. Juli 2015

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Tag 33 - Von Weferlingen nach Oebisfelde (19 km)

Ich bin morgens früh in Weferlingen aufgebrochen und war gegen 13 Uhr im Etappenziel Oebisfelde. Ich habe in der Pension Peters gewohnt, eine sehr günstige, saubere, ruhige und komfortable Unterkunft mit netten Gastgebern.
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